Projekte und Deutschkurse im Jahrgang 11 öffnen

Gedanken zur Verbesserung unseres Schulsystems bedeutet auch Übergangslösungen, Experimentierflächen und Versuchslabore zu finden, die ein neues Schulsystem vorbereiten. Langfristig möchte ich euch davon erzählen, es mit euch diskutieren und sehen, ob es streitbar ist.

Grundsätzlich ist die Idee, dass jeder Lerner – beliebigen Alters sogar – im Prinzip nur lernt, wenn er es freiwillig darf, wenn er seine Inhalte bestimmen darf und wenn er Tempus und Reihenfolge festlegen kann. Natürlich leben wir Menschen nicht auf einer Insel und können alles neu erfinden, deswegen ist es vernünftig Menschen auszubilden, die anderen helfen, Lernstrategien zu finden. Aufzwingen gelingt aber nicht. Unser Schulsystem zwingt allerdings auf, es kontrolliert und beherrscht Lerninhalte und Lernformen. 30% der Schüler wissen, sie können nichts tun als sich anpassen und das Beste hoffen, 30% wissen, dass sie nichts tun können und versuchen sich im System zu verstecken und 40% verweigert die aufgezwungene Kost, wovon etliche nie wieder auf die Füße kommen und viele aber es dennoch zu was „bringen“. Viele sind lernmüde, obwohl der Mensch nicht nicht-lernen kann. Er muss lernen, unentwegt Daten auswerten, anpassen und Erfahrungen neu konfigurieren. So schnell ändern wir nicht das System, dass reihenweise mutige Lehrer aufspringen und alle Schüler selbst ihre Lerninhalte und Lernmethoden entwickeln lassen.

Wie soll aber eine Alternative aussehen? Eine justiziable ALternative?

Gut, Mut erfordert sie dennoch. Aber lasst uns sehen:

Betrachten wir die elfte Jahrgangsstufe, die Orientierungsphase. DIe Hauptfächer werden oft in den gleichen Schienen unterrichtet. Je nach der Anzahl der Schüler gibt es 3 bis 6 Grundkurse eines Faches zur gleichen Zeit.  Inhaltlich gibt es ein Schulcurriculum, welches zumindest als Richtlinie dient, formal soll  das Arbeiten in der Oberstufe vorbereitet werden. Das bedeutet, man könnte den Schülern die Möglichkeit gewähren, dass sie selbst wählen, wer sie zu welchem thematischen oder methodischen Schwerpunkt unterrichtet und prüft.

Als Gedankenspiel:

1. Festgelegt ist der Themenblock:

Sprachtheorien (Schulz von Thun, Molcho, Watzlawick). Bei vier Lehrer/innen ließe sich das Thema unterschiedlich behandeln: textimmanent an Sachtexten; am Beispiel von Kurzgeschichten zu „gestörter Kommunikation“; als Entwicklung von Rollenspielen/Theaterspiel; empirische Untersuchungen zu verschiedenen KOmmunikationsebenen: verbal, Körpersprache, metaverbal …

2. Festgelegt ist eine Textform:

Jeder Lehrer behandelt ein anderes Drama, gibt einen Überblick über den Inhalt sowie eine kurze Prognose, was an diesem Drama zu lernen möglich ist.

3. Festgelegt ist ein formaler Schwerpunkt, der für die Oberstufe wichtig ist:

Die Lehrer vermitteln diesen Schwerpunkt mit unterschiedlichen Methoden und geben bekannt, wie die Schüler dies trainieren können.

Dies ist natürlich ein erster Aufriss und sicherlich überarbeitungswert. Der wichtige Punkt ist, dass die Schüler nach Einheiten entscheiden können, wer den Unterrichtsstoff aufarbeitet, welche Methoden aufgearbeitet bzw. trainiert werden, welcher Themenschwerpunkt erarbeitet wird. Dieses Konzept ließe sich jetzt bereits an Schulen in den elften Jahrgängen und in den Grundkursen für die Hauptfächer der weiterführenden Jahrgängen installieren. Jeder Schüler muss sich in in einen der Kurse zu je einer Einheit einfinden, dadurch kommt der Zwangscharakter dennoch zum Tragen, kann aber minimiert werden.

Die Lehrer müssten sehr eng zusammen arbeiten und müssten ihre Arbeit anhand des Schülerkontaktes immer wieder evaluieren und modifizieren. Das Zentralabitur begünstigt eine genaue Absprache des Unterrichtsgegenstandes. Die Schüler müssen gleichzeitig genau wissen, woraufhin sie später geprüft werden und welche Fähigkeiten es noch zu verbessern gilt.

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Mehr als EIN Abschluss erforderlich!?

In Deutschland gibt es drei Abschlüsse: Hauptschulabschluss, Fachabitur und Abitur. Dabei sind die drei Abschlüsse hierarchisch angelegt, je mehr der Schüler oder die Eltern investieren, desto besser wird der Abschluss; final wird das Abitur angestrebt. Diese unterschiedlichen Abschlüsse dienten bis vor einigen Jahren dazu, den Absolventen eine Orientierung zu geben, welcher Berufsbereich für sie möglich ist. Sie gaben den zukünftigen Arbeitgebern einen kleinen Einblick in Fertigkeiten der Jugendlichen. Das Abitur diente dazu, den jungen Menschen auf die universitäre Arbeitsweise zu erproben. Immer mehr wurde jedoch das Abitur von Betrieben und Firmen für eine Ausbildung gewünscht, denn die Ausbildungsberufe sind vielenteils komplexer geworden und setzen voraus, dass der junge Mensch mitdenken kann und selbstständiges Arbeiten gelernt hat. Inhaltlich werden die Jugendlichen mit dem Abitur jedoch nicht auf diese Berufe vorbereitet.

Das Abitur sichert dem jungen Menschen am wahrscheinlichsten einen Ausbildungsplatz, wenn es auch gleichzeitig nicht auf das Berufsleben sondern auf die akademische Laufbahn vorbereitet. Was also ist passiert, dass es neben dem Abitur keinen qualifizierten Abschluss gibt, der über die Fähigkeiten, Stärken und Talente eines Schulabsolventen Auskunft erteilt? Unser Schulsystem verfügt über keine Differenzierung nach Fähigkeiten, Stärken und Talenten, denn letztlich muss jeder Schüler in jedem Bereich sich gut qualifizieren, sonst sind unerwünscht schlechte Noten die Folge. Auch wenn wir gewohnt sind, Kinder, Heranwachsende und Jugendliche nach dem zu bemessen, was sie sie schon können und was sie noch nicht können, ist hier ein Perspektivenwechsel notwendig. Es geht nicht darum, in welche Schublade ich einen Lerner setzen kann, sondern darum, was ich tun kann, damit er sein Lernziel erreicht. Sein Lernziel ist nicht unbedingt das gleiche Ziel, wie es sein Lehrer verfolgt. Im günstigsten Fall allerdings erkennt der erfahrene Lehrer, welches Ziel sein Schützling tatsächlich im Visier hat und unterstützt ihn, ohne ihm den Prozess der Erkenntnis und des Verstehens abzunehmen. Es geht nicht darum, ein Schüler zu defamieren, die naturgegebene Intelligenz zu disqualifizieren, indem Kategorien aufgestellt werden und die Schüler nach Maßstäben, Normierungen, Richtwerten und Sympathien bewertet werden.

Als logische Konsequenz entsteht die Forderung nach einer adäquaten differenzierenden Abschlusskultur. Das setzt aber gleichzeitig voraus, dass nicht mehr allein das Lesen und Leseverständnis, Textproduzieren und Rechnen zu einem Abschluss führen können, sondern dass Fertigkeiten auch in kreativen, in technischen, in kaufmännischen und in digitalen Bereichen honoriert werden. Den jungen Menschen wird ermöglicht, aufgrund ihrer Interessen und Fähigkeiten berufsrelevante Inhalte zu erwerben und so einen Abschluss zu erreichen, der gleichzeitig für die jungen Menschen sowie für Firmen und Betriebe als Orientierung dient.

Unser gewohntes Denken reicht aber bislang kaum über Klassenmodelle, Fächerwahl und normierte Stundenraster hinaus. Diese drei Grundsäulen der klassischen Schule habe ich hinterfragt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich nun vorstellen:

Ich gehe davon aus, dass Kinder bis zum Stadium des Erwachsenen drei große Entwicklungsschübe durchleben: ab ungefähr dem 6. oder 7. Lebensjahr setzt der erste große Hormonschub ein und das frühkindliche Stadium wird verlassen. Ein Zeitpunkt, in dem die Kinder dauerhafter lernen, sich länger einer Sache widmen und größere Zusammenhänge begreifen. Wobei das auch vermessen sein kann, dies zu behaupten, denn je nach Interesse haben meine Kinder auch (z. B.) größere Zusammenhänge schon vorher reflektiert. Nehmen wir dies einmal an, so dauert diese Phase der Entwicklung bis ungefähr zu zweiten großen Schub an, der dann auch maßgeblich das weitere Verhalten dominiert. Mit Abschluss der Pubertät beginnt die Phase der eigentlichen Orientierung, oftmals geht sie zurzeit einher mit dem Abitur oder der Ausbildung. Diese einzelnen Entwicklungsphasen verschieben sich je nach Kind mal um das ein oder andere Jahr. Im bisherigen Schulsystem wird das weder berücksichtigt noch als Zeichen für den nächsten Schritt erkannt. Diese Entwicklung jedoch ernstzunehmen und daran angemessen zu beurteilen, dass das Kind für den nächsten Schritt vorbereitet ist, darin sollte ein Teil der Aufgabe des Lehrers bestehen – statt der üblichen Bewertung.

3 Phasen der Entwicklung – 3 Stufen der Schule:

  1. Stufe = Grundstufe: In den meisten Bundesländern und in nahezu allen Ländern Europas ist es üblich, die Schüler erst nach der sechsten Klasse zu trennen. In der Regel passt dies mit dem 2. Entwicklungsschub zusammen. Wir Lehrer wissen, dass es dann noch frühe und späte Pubertierende gibt, aber dennoch setzt der Prozess irgendwann im siebten oder achten Schuljahr ein. In den Anfängen der Schule dauerte die Volksschule auch nur so lange, denn dann hatten die Schüler das Wesentliche für einen Beruf erlernt und wurden entlassen. Auch heute umfassen diese sechs bis sieben Jahre die Grundausbildung in Lesen, Schreiben, Rechnen bis hin zum Textverständnis und Dreisatz.
  2. Phase – Mittelstufe: Mit dem Beginn der Pubertät wird das kindliche zunehmend verdrängt. An Bedeutung gewinnt das andere Geschlecht, das Leben nach der Schule und die unmittelbare Zukunftsperspektive. Es wird den Schülern bewusst, zu welcher sozialen Schicht sie gehören und was von ihnen erwartet wird. An dieser Stelle muss der Heranwachsende anders wahrgenommen werden. Da das Lernen ein Akt des freien Willens ist, muss an dieser Stelle dem Lerner ein Angebot gemacht werden, was zu seiner Entwicklung passt. Balladen zu irgendeinem Unglück von irgendeinem Zug gehören nicht in seine Lebenswelt, wenn er gerade 14 Jahre alt ist; sie würden ihn im Normalfall nicht interessieren. (Zum freiwilligen Lernen und dem Kontrollzwang werde ich an anderer Stelle noch etwas schreiben.) Der Schüler lernt in altersgemischten Kleingruppen (bis zu 15 Schülern) zu selbstgewählten Themen (fachübergreifend) in Modulen mit ein bis zwei Lehrern. Ein Beratungslehrer steht ihm direkt zur Verfügung und führt für den Schüler Buch über dessen Lernfortschritte. Statt Noten gibt es Abschlussarbeiten einzelner Module, die gemeinsam in der Gruppe reflektiert werden und die dem Schüler dazu dienen können, sein Portfolio für die Orientierungsstufe und für die Bewerbung zusammenzustellen. Es gibt Grund und Erweiterungsmodule. Ein Versuch wäre die Abschaffung von Zwangskursen und einräumen von Grundqualifikationen für einzelne Praktikumsstufen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind die Praktika, deren vier von je 8 bis 12 Wochen Dauer absolviert werden, damit der Schüler nach der Mittelstufe anhand der Orientierungstestphase, der Beratungsgespräche und anhand seiner Erfahrungen eine Entscheidung treffen kann, welchen Abschluss er anstrebt. Diese Praktika sind aus unterschiedlichen Bereichen zu absolvieren (Soziales, Handwerk, Kaufmann / Technik, Medien); anschließend nimmt der Schüler an einem großen künstlerischen Projekt teil: Darstellung, Gestaltung, Theater. Sprachen sollten nicht mehr vom Buch erlernt werden, bilingual eingebunden in das Geschehen, so dass der Schüler automatisch die Sprache mitlernt – als Wesen, das sich sprachlich ausdrücken will, erwirbt der Mensch schnell eine Sprache (siehe: Bilingualer Ansatz an Schulen).
  3.  Stufe – Orientierungsstufe bzw. Oberstufe: Anhand der Orientierungsphase mit Tests, Gesprächen und Auseinandersetzungen mit Berufen ergibt sich für den Lerner ein Abschlussziel. Dieses Abschlussziel zeigt gleichzeitig die notwendigen Qualifikationen auf, die die Abschlussprüfungen verlangt. Der Lerner erstellt sich (wie bereits in der Mittelstufe) seinen Arbeitspensum selbst, legt seine Kurse fest und bestimmt somit, wie lange er braucht, bis er für die Prüfung reif ist. Die Prüfung wird extern durchgeführt und von extern aus bewertet, damit die Lehrer nicht in die Doppelrolle des Richters und Freundes zugleich kommen. Diese Prüfung muss angemessen an den Abschluss sein und darf nicht bedeuten, dass alle Themen schriftlich im Sinne von Text(re)produktion  abgefragt werden. Eine Mischung aus Multiple Choise, zu beantwortenden Fragen und zu lösenden Aufgaben sollten auf den Abschluss ausgerichtet sein, z. B.: Handwerkabschluss => Werken eines Produktes, Planen eines Produktes, Nutzen eines Produktest erwägen.  Einzelne Module dürften sich je nach Abschluss überschneiden – ähnlich wie das für den universitären Betrieb gilt. Durch eine entsprechende Codierung ließe sich ein Modul immer einem entsprechendem Abschlussbereich zuordnen. Gleichzeitig ist es dem Jugendlichen möglich zu sehen, welche Überscheidungen es gibt. Eine mögliche Umwahl wird damit erleichtert. Auch wird es Methoden geben, die alle nochmals vertiefen oder erweitern müssen, denn das Protokollieren, Konzeptionieren und Planen gehört nicht einem spezifischen Berufsbild an.

Mit dieser Idee werden zudem solche Inhalte schulisch relevant, die zurzeit nur an Berufsschulen gelehrt werden. Damit könnten die Berufsschulen ihre „allgemeinen“ Inhalte zugungsten der berufsspezifischen Inhalte an die Schulen „abtreten“ und müssten nicht mehr z. B. einstündig Deutsch unterrichten. Schule wäre nicht länger ein außerberuflicher Lernort. Die Inhalte müssten den Absichten untergeordnet werden. Bislang ist überhaupt nicht geklärt, weshalb die Kenntnis vom mittelalterlichen Leben oder die Kenntnis von der Kurvendiskussion oder die Kenntnis von der Novellentheorie für das spätere Studium oder Leben relevant sein soll. Im Gegensatz dazu verstehe ich durchaus, weshalb Schüler lernen sollten Feuer zu machen, Ackerbau anzulegen, die Gefahren von Erdbeben zu erkennen, Wasser zu finden, Wintervorräte anzulegen, Saat und Ernte kennenzulernen, Erste Hilfe bei Unfall und Krankheit leisten können, etc. Alles Dinge allerdings, die nicht die Relevanz einer Novellentheorie haben.

Zur Umsetzbarkeit sei an dieser Stelle nur erwähnt, dass viele innovative Schulen einige Bestandteile dieser sehr komplexen Idee bereits mitbringen, so gibt es in Bayern die sogenannte Wirtschaftsschule, die für jeden Abschluss zugänglich ist. Weiteres zum Thema „Umsetzbarkeit“ wird noch folgen.

Und nun freu ich mich auf eure Kommentare. 🙂

Acht-Punkte Voraussetzung für ein Umdenken

Unser Schulsystem hat einige stabile Denkfehler, die vor allem durch ihr Zusammenspiel dazu führen, dass viele junge Menschen durch das System fallen:

1. Einbahnstrasse Abschluss: Das Abitur ist das anvisierte Ziel, alle vorherigen Abschlüsse liegen auf der Skala hinten. Das Abitur ist der geeignete Abschluss für jemanden, der zur Universität oder Fachhochschule wechseln will. Was ist mit jenen, die sich für kaufmännische, technische, medienspezifische, kreative, handwerkliche Berufszweige interessieren? Wie lauten die Lehrplaninhalte für sie und wie ihre Abschlüsse?

2. Noten ab der 2. Klasse: Für junge Menschen ist die Note ein Urteil über die Person, nicht über die Fähigkeiten. Das Selbstwertgefühl leidet unter ihnen ebenso wie der Lernprozess selbst. Genügt es nicht, wenn die jungen Menschen kurz vor Eintritt ins Berufsleben getestet, beurteilt und bewertet werden?

3. Fächer-, Stunden-, Lehrkörper-Zwang: Selbst jene Fächer, die wählbar sind, sind nur Papierwahlen, weil der Unterrichtsinhalt vorgesetzt wird. Das Leben ist weder in Fächer noch in Stunden unterteilt, sondern nach Themen und zusammenhängend. Und wieso hat die Lehrkraft Angst davor, dass junge Menschen nach Sympathie entscheiden, von wem sie lernen und von wem nicht?

4. Altersgruppierung: Statt eine Mischung unterschiedlicher Altersgruppen zu zulassen, wird nach Alter sortiert und diese Gruppe in einer Klasse zusammengefasst unterrichtet. Voneinander Lernen wird erschwert.

5. Zu große Lerngruppen/ zu große Schulen: Wieso nicht mehr als ein Lehrer in einer Kleingruppe einsetzen? Wieso möglichst viele Schüler in einer Schule zusammenfassen?

6. Zu wenig Praxis/ Praktika: Erfolgreiche Schulen bieten nicht nur ein obligatorisches Praktikum an, sondern lassen mehrere Praktika zu, haben im Kanon feste Projektphasen etabliert und lassen Schüler so oft es geht praktisch lernen. Wie sollen Jugendliche das Interesse an kognitiven Lerninhalten aufwenden, wenn sie nicht wissen, worauf sich dieses Lernen richtet, denn zukünftige Inhalte sind für ihr Leben irrelevant?

7. Schule – ohne Bezug zum Leben: Einige Inhalte berühren die Lebenswelt der Schüler mehr, andere weniger, viele gar nicht. Unaufhaltsam wächst der Berg an angestaubtem Wissen, der mit dem Nürnberger Trichter den Gymnasiasten und mit einem etwas humanerem den anderen Schülern aufoktruiert wird. Lebensweltliche Aspekte (wie finde ich eine Wohnung und worauf achte ich beim Unterschreiben eines Mietvertrages) oder berufliche Aspekte (was ist Rechnungswesen, wie setze ich ein geschäftliches/offizielles Schreiben auf?) werden in der Regel nicht behandelt.

8. Jeder lernt zur gleichen Zeit das Gleiche: Lernen gehört zum Menschsein, selbstbestimmtes Lernen betreiben alle von Anfang an. Wir erkennen es Menschen ab dem 6. Lebensjahr ab, selbst einen Rhythmus und eine passende Zeit zu finden. Wieso glauben wir, das Lernen anderer zu beherrschen als könnten wir das Denken anderer bestimmen? Wieso riskieren wir keine Fehler, wo doch der Lernweg so lang ist?

Diese acht Punkte machen kein neues Schulsystem. Diese Punkte bilden den Ausgangspunkt für ein Denken, in dem auch junge Menschen selbst ihr Lernen definieren, die Inhalte bestimmen und ihre Ziele abstecken.