Lernen passiert überall – Quelle „Zeltplatz“

Als Lehrerin sucht man wahrscheinlich immer den Horizont und das Umfeld nach Möglichkeiten für den Unterricht ab, selbst wenn es eine Freiphase gibt. Dieser Teil des Berufs hängt mir so vertraut an wie mein Lieblingskleidungsstück. Der Blick allerdings auf das Material in der Lebenswelt ändert sich je nach Zielgruppe der Betrachtung, je nach Anlass der Betrachtung, denn vermutlich kann auch kein Schriftsteller oder kein Schauspieler, kein Musiker und kein Kabarettist durch seine Lebenswelt ziehen, ohne Gesehenes, Gehörtes, Gefühltes, Gerochenes oder Geschmecktes zu sammeln. 

Auf dem Zeltplatz ließen sich Erfahrungen einsammeln:

Mit einer Freundin war ich zum ersten Mal für mich auf einem Zeltplatz. Sie war bereits ein alter Hase und bestens gerüstet. Aber bereits schon so gut gerüstet, dass man wieder spontan werden kann, weil es genug Erfahrungspotenzial gibt, um auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Sie hatte mir gesagt, ich sollte lediglich die Zelte und so einpacken, Küche, Flamme, Töpfe, Besteck u. Co hätt sie soweit schon organisiert.

Ich will nicht lange von meinen Zelterfahrungen berichten, denn darum geht es nur sekundär. Vielmehr habe ich den Prozess des Lernens bei mir selbst beobachtet. Diesen Prozess, den ich bei meinen Schülern immer anstossen will, der dann Früchte bringt, wenn sie sich ins Bergwerk der Erfahrungen machen und langsam die Erkenntnisse schürfen, die dort für sie bereit liegen sollen. Es wäre mir sicher möglich gewesen, mich mit Literatur vollzustopfen, Listen abzuarbeiten, was ich alles brauchen könnte ohne es je angewandt zu haben. Aber ich hatte meine Freundin, die gern zuließ, dass ich mich wie ein Baby verhielt. Ich habe gesehen, gefühlt und verstanden, welche Sachen ich brauche, welche welchen Sinn ergeben und wie sich behelfen lässt. Dieses Wissen habe ich in Form einer einzigen Liste für mich gespeichert, die ich in längerer und ausführlicher Version sicher auch im Internet bei Hardcorezeltern gefunden hätte, aber meine Liste ist bereits auf meine Bedürfnisse, meine Familie, meine Interessen und meine Möglichkeiten zugespitzt.

Und es waren alle Erfahrungsbereiche abgedeckt, die ich für eine längere Reise benötige (Unfall, Stromausfall, Kälte, Regen, Hitze, Spontanzuwachs, kurzfristiger Geldmangel); für nur drei Tage ein intensives Lernen.

Wie kann ich das nun in der Schule verwirklichen? Lernen nicht aus Büchern sondern in der Lebenssituation. Natürlich lässt sich der Zeltplatz nur als Simulation in die Schule holen, aber wie viel ist für eine gute Simualiton nötig? Wodurch kann das Erlernte abgerufen werden? Wie wird das Erlernte umgesetzt? Die Anwendung meines Lernzuwachses steht ja auch noch aus.

In Köln gibt es ein Wissenschaftserfahrungsmuseum namens „Odysseum“, die mit allen Medien arbeiten und kindgerecht nach unterschiedlichen Altersstufen Lernfelder anbieten. Sehr interessant und lehrreich selbst für Erwachsene gestaltet. Dieser Lernort nutzt die Erfahrungen des Internets: KOmmentieren, Bewerten, Stellung nehmen und etwas Eigenes dem Erfahrenen hinzufügen.

Wie genau sich dieses MATERIAL im Kopf nutzen lässt, weiß ich noch nicht. ICh will das Denken aber nicht damit begrenzen, dass Geld fehlt und der (Klassen)Raum nackt und starr ist.

Work in progress …

Advertisements