CC – Das hab ich gebraucht! Abgesang an das Copyrightgefühl

am 12. November 2011 traf sich die ADZ-Regionalgruppe, womit ich angefüllt mit neuen Anregungen die für mich neueste und wichtigste Errungenschaft ausprobieren muss: CREATIVES COMMONS …
Wieso gab es das nicht schon früher? Wieso bewegte ich mich so lange im gefährlichen Fahrwasser des allgemeinen Kopierens? Wie kann ich das nur übersehen haben?
Vor vielen Jahren hab ich schon damit angefangen, unter meine handgeschriebenen Kurzgeschichten das Copyrightzeichen zu setzen. Irgendwann mit ungefähr Dreißig veränderte sich mein Denken, denn eigentlich kann ich nichts schaffen, was ich selbst aus mir heraus produziere. Selbst ein Baby benötigt zumindest noch eine Zutat, damit es in meinem Bauch wachsen kann. Wenn man sehr lange und gründlich darüber nachdenkt, dann mischt den Genus doch der Werdegang, die Lehrer, die zufälligen Verbindungen, die Gespräche über Inhalte und so weiter. Nichts wird in einem einsamen Kämmerlein geboren.
Als ich das verstanden hatte, habe ich aufgehört, dass Copyrightzeichen ernstzunehmen und setzte es nicht mehr unter meine Werke, war sehr freigiebig und nahm offenen Herzens. Allerdings – und das ist der Wermutstropfen – wusste ich doch immer, dass manch einer davon leben muss, von seinen (Ge-)mein(schafts)Produkten, und dass nicht alle diesen Denkprozess durchlaufen, weil sie vielleicht nie etwas in durchdiskutierten Nächten mit anderen zum Leben erweckt haben, worauf sie allein nie gekommen wären. Und auch gibt es Menschen, die ihre Erfolge nur mit ihrem Namen versehen auch feiern können. Also befand ich mich bis gestern in einem moralischen Dilemma.
Als Lehrer darf man ja mal „klauen“, ist für einen guten Zweck, so hab ich mir gesagt. Ich tue es ja nicht für mich. Als dann Gutenberg die Menge aufbrachte, dachte ich mir, dass jemand wie er es nicht nötig haben müsste, sich anderer Ideen zu bedienen. Da war es wieder, dieses Dilemma, sich selbst auch außerhalb des Copyrights zu bewegen, dafür dann andere kaum anklagen zu können, auch wenn es noch so anders zu bewerten sei.
Und dann erklärte Guido (ich glaube, gar nicht zum ersten Mal, aber diesmal mit AHA-Effekt), was mich rettet. Wenn andere ihr Copyrightgefühl pflegen wollen, ich aber nicht, dann muss ich mich mit den Menschen austauschen, die auch dieses Copyright-Gefühl nicht im vollen Umfang brauchen, ohne mich noch länger dafür schlecht zu fühlen. DAS ist für mich Demokratie.
Mit diesem Sieg blieb nur noch eins zu tun, ein Auseinandersetzen mit der Software, das Lesen und Finden und Verstehen der Links und Co.

Und für alle, die es noch nicht selbst kennen, setz ich doch noch schnell mal hier den Link ein:
http://creativecommons.org/licenses/

Danke Guido, das war eine wichtige Bereicherung für mein creatives Arbeiten.

Und … das Logo hab ich auch schon rechts veröffentlicht. 🙂