Medieneinsatz im Unterricht – neue Medien im Unterricht

Eine ganz gewöhnliche Deutschstunde: Erarbeitung eines Textes. Was steckt drin in dem Text? Wie lassen sich die Informationen so anordnen, dass ich darauf zurückgreifen kann?
Wir begannen mit einer Tabelle und haben in dieser thematisch sortiert, worüber der Inhalt des Textes informiert. Gesammelt wurde auf der Folie, weil wir das sicher noch brauchen – dachte ich. Und natürlich wurden wir nicht fertig. Der Rest war dann eine Wochenplanaufgabe. Nach einer Woche hatten die wenigsten genau das eine Blatt, auf dem sie die Tabelle abgeschrieben und weitergeführt hatten. Der OHP streikte auch. Also musste ich die Tafel vollschreiben, deren Platz war endlich. Ich war darüber sehr verärgert und dachte an das ADZ-NRW-Wochenende, als Gibro dachte, dass doch jedem auffallen müsse, dass siche eine Tafel als Sammelmedium schlecht eignet.
In einer anderen Klasse wollte ich aus Fabeln Geschichten schreiben lassen, die die Gefühle und Gedanken der Tiere zu den jeweiligen Situationen zeigen. Dazu sollten sie in die Rolle eines Tieres schlüpfen und die gleiche Geschichte aus seiner Sicht schreiben.
„Versteh ich nicht. Wo kommen da denn die Gefühle hin?“
„Wieso Handlungsschritte? Gibt es die nicht nur in Sagen?“
„Wieso schreiben Sie den oben an der Tafel weiter?“
Wie aber nimmt man an der Tafel einen Text auseinander, um einen anderen dazwischen zu schieben? Am Smardboard könnte ich dem Schüler zeigen, was die einzelnen Handlungsschritte sind, wo da Gedanken und Gefühle gezeigt bzw. geschrieben werden können, was ein Wendepunkt ist und was passiert, wenn ich einen ganz anderen einfüge. Ich selbst hab das doch auch nicht in der Schulzeit verstanden, wenn der Lehrer was von Wendepunkten erzählt hat. Verstanden hab ich das erst, als ich selbst in meine Geschichten Wendepunkte eingefügt habe. Mir hat das ja auch keiner zeigen können. *grumpf

Dann traf ich im Lehrerzimmer auch noch auf einen Kollegen, der erzählte davon, was für eine tolle Ausstattung an seiner letzten Schule vorhanden war. Ich wollte das gar nicht hören.

Mein Hoffnungsschimmer: Ein DVD-Rekorder mit USB-Stick, den ich in den Klassenschrank einsperren kann (samt CD-Player der Englischlehrerin), ein Handy, mit dem ich im Netz recherchieren kann und einen Beamer für den Jahrgang, mit dem ich das dann vom Laptop zeigen kann. Problem: das Netbook ist zu langsam, der Beamer ist vom Jahrgang nicht gekauft und …

Dominoeffekt: Was Freiwilligkeit des Unterrichtbesuchs nach sich zöge. (Ein Gedankenexperiment)

Wenn man im Schulsystem eine einzige Sache verändern würde, so hätte das auf das ganze System seine Auswirkung. Wenn eine Veränderung wie bei dem nachfolgenden Gedankenexperiment herbeigeführt wird, wie lässt sich dann solch eine Idee überhaupt anstossen? Ich erhebe hier nicht den Anspruch, entgültige Weisheiten zu formulieren, vielmehr geht es um ein Gedankenexperiment. Jeder ist mir willkommen mit seinem Kommentar, der sich an diesem Experiment beteiligen will (statt es vielleicht nur zu kritisieren oder als unmöglich abzutun).

Jetzige Situation: Zurzeit lernen Kinder im Klassenverband in Fächern unterteilt Inhalte, die im Curriculum zu finden sind. Auffällig ist, dass man ca. 20 – 40 % der Schüler und Schülerinnen trotz Methodenwechsel und Medieneinsatz nicht dazu motivieren kann, sich mit dem Lerninhalt auseinanderzusetzen. Genauso gibt es in jeder Lerngruppe Schüler und Schülerinnen, die trotz des Störverhaltens anderer Mitschüler unbedingt lernen wollen. Immer wieder hört man als Lehrkraft, dass diese Schüler auch ein Recht auf den Unterricht und dazu passende Lernmöglichkeiten haben. Es gibt eine Verpflichtung zum Unterricht, weil es auch eine Aufsichtspflicht seitens der Schule gibt. Zusammengefasst heißt das: Zwar will die Schule dem Heranwachsenden ermöglichen, einen Abschluss zu machen und zu diesem Zwecke etwas zu lernen, doch Vorrang vor der individuellen Förderung hat die Aufsichtspflicht während der Schulzeit. Verständlich, wenn man davon ausgeht, dass die Kinder versorgt sein sollen, damit die Eltern arbeiten können. Wenn wir diesem unwilligen Schüler seine Unlust zugestehen, dann müssten wir für ihn und seinesgleichen einen beaufsichtigten Aufenthaltsbereich zubilligen, damit die anderen Kinder und Jugendlichen lernen können.

Machen wir ein Gedankenexperiment: Stellen wir uns eine Schule vor, die dreizügig ist. Ab der fünften Klasse geht es los. So bräuchten wir schon mindestens zwei verschiedene Aufenthaltsbereiche, denn Schüler der Klasse 5 und 6 stehen in einer anderen Entwicklungsphase als Schüler der Klasse 8 – 10, Kinder des Jahrgang 7 steckt dazwischen. Diese Freizeitbereiche werden jeweils von Erziehern ganztägig betreut. In unserer Schule fällt der Essbereich des Mittagstisches in diesen Freizeitbereich, damit Platz gespart werden kann. Dabei sind die Aufenthaltsbereiche multifunktional zusammengesetzt, so dass man dort in angenehmer Atmosphäre essen kann und dennoch Ecken hat, in denen sich die Schüler und Schülerinnen zurückziehen können. Die Erzieher sorgen dafür, dass jeder Zeit Wasser für Schüler und Schülerinnen bereitstehen und das Obst als Zwischenmahlzeiten angeboten werden können. Sie beaufsichtigen die Schüler und intervenieren im Falle von Handgreiflichkeiten ein. Wenn ein Schüler also keine Lust hat, was zu lernen, kann er sich hierher zurückziehen und den Unterricht sausen lassen. Dadurch würde er die anderen nicht stören.

Nehmen wir Klaus als Beispiel. Er hat keinen Bock bei Peterson im Unterricht zu sein, der Lehrer kann ihn nach seiner Ansicht eh nicht ausstehen und hat ihn auf dem Kiecker; und Mathe hat er eben noch nie verstanden. Dort schreibt er seit zwei Jahren nur noch seinen Namen auf die Klassenarbeit. Die Stunden verbringt er nur noch im Freizeitbereich. Stefan und André, seine Kumpels sind auch lieber hier. Die PSP (Spielekonsole) läuft heiß und sie spielen über Kabel zusammen. Die nächste Stunde wäre Deutsch gewesen, da wollen sie auch nicht hin und Englisch ist auch doof. Plötzlich springt aber André auf, sagt was von Freundin, die im E-Kurs- Englisch sitzt, wo er jetzt hin will.

Nein, so funktioniert das nicht, spulen wir nochmals zurück. So würde Klaus nie wieder eine Stunde Mathe besuchen und dann wäre er irgendwann nur noch aufbewahrt, bis er erwachsen und ohne Abschluss die Schule verlässt. Wenn die Schule einem Schüler die Option lässt, dass er sich aus dem Unterricht ausklinkt, wenn er nicht mehr will, dann muss er auch die Option erhalten, sich wieder einzuklinken, wenn er feststellt, dass er doch was lernen will. Das bedeutet, wir bräuchten für die Schüler statt Unterrichtsstunden, Basiseinheiten und Erweiterungseinheiten, so dass die Schüler, die sich für das eine Fach nicht mehr interessieren können, weil sie da nix verstehen, den Stoff nochmals nachholen können.

Klaus hängt schon seit Wochen im Freizeitbereich rum. André hat eine neue Freundin, sie besucht den Basismathekurs. Er ist mal mitgegangen und fand die Lehrerin ganz nett. Überhaupt versteht er seit Wochen zum ersten Mal, was da erklärt wird. Er weiß noch immer nicht, wofür er das Zeug lernen soll, aber wegen Vera will er zumindest versuchen, dass er bei der Lernstandserhebung gut abschneidet. Ihn stört nur, dass alle im Kurs jünger sind als er. …

Nein, so kann das auch nicht funktionieren, damit würde Klaus weiterhin hängen bleiben, weil er keinen Anreiz hat, sich den Unterricht nochmals anzusehen. Wenn tatsächlich Basislerngruppen eingeführt werden, dann müssen sie altersunabhängig besucht werden können, Gleiches gilt für die Erweiterungskurse. Die altersgemischten Gruppen verhinderten zum einen das Gefühl der Scham, würde zum anderen auch zur gegenseitigen Hilfe und zur Erlangung von entscheidenden Sozialkompetenzen führen. Gleichzeitig kann auch ein Kind dann wieder integriert werden, wenn es das Gefühl hat, dass es nun bereit ist dazu.

Allerdings lässt sich das mit dem Fächerkanon nicht aufrechterhalten, denn die Aufteilung in Fächer lässt wenig Spielraum für die Motivation. Hat ein Schüler mit einem Fach seine Schwierigkeiten, dann wird er unter Umständen dem Fach keine weitere Chance einräumen. Wenn er hingegen mit einem Projekt (welches insgesamt 4 oder 6 Wochen umfasst) nicht zurechtkäme, könnte er dieses Projektthema ausgrenzen. Das heißt, anstatt den Unterricht in Fächer zu unterteilen, kann man Themenblöcke, Epochen (wie es Montessori nannte) oder Projekte festlegen.

Stefan schwärmt vom Projekt „Römer“, als er in der Pause auf Klaus trifft. Der sitzt noch immer an seiner PSP und versteht Stefan nicht. Stefan erklärt ihm gerade, dass sie ein römisches Mosaik für den Schulhof planen und erklärt ihm, welche 1000 Schritte dafür notwendig sind, bis die einzelnen Steine genau an dem Punkt hingelegt werden, denn sie in seiner Arbeitsgruppe festgelegt haben. Klaus fragt, was denn die Römer und das Mosaik miteinander zu tun hätten. Stefan erklärt, dass sie im Projekt „Römer“ die wichtigsten Aspekte der römischen Kultur besprechen, deren Spuren noch heute in unserer Kultur zu finden sind. Dann habe der Lehrer die Aspekte aufgeteilt und daraus Projekte gemacht, die von den Schülern gewählt werden konnten. Eigentlich wollte er zu den Gladiatorenkämpfen, aber bei der Mosaikgruppe sei auch Andrea dabei und …

 Wenn man sich ein solches Vorgehen vorstellt, dann bräuchte es entweder mindestens zwei Lehrkräfte, die für die Schüler mit Rat und Tat zur Seite stehen oder Gruppenhelfer. Dies wäre aber von der Gruppengröße und vom Alter der einzelnen Gruppenmitglieder abhängig. Solche Projekte ließen es zu, dass man entlang am Curriculum der Fächer arbeitet, indem man sich überlegt, wie diese einzelnen Inhalte der Fächer zusammengebunden werden können und in „lebensnaheren“ Projekten ihren Widerhall finden können, welche Kompetenzen gefördert werden sollen und wie das funktionieren kann. Dann kann man verschiedene Fachlehrer so verteilen, dass sie gemäß ihrer Kompetenzen in den Projekten mitwirken und die Schüler bei ihren Lernphasen unterstützen können.

Klaus will von seiner PSP nicht weg, ihm sagt nichts davon zu. Sobald er die Liste mit den Projekten am Schwarzen Brett sieht, schaltet er auf Chillmodus. Wieso seine Kumpels sich von dem gemütlichen Sofa entfernt haben, weiß er auch nicht. Ihm ist das alles egal. Er will mit sich und seiner PSP in Ruhe gelassen werden. …

Wenn sich in der Schule auch dann Kinder isolieren und allein im Freizeitbereich zurückbleiben, dann hat die Institution die Aufgabe, herauszufinden, warum das so ist. Hierfür sollte zum einen ein Beratungslehrer als unmittelbare Bezugsperson zur Verfügung stehen. Für diese Aufgabe sollte in der gesamten Laufbahn im günstigsten Fall derselbe Lehrer zur Verfügung stehen, der nicht mehr als 5 Schüler betreut. Seine Aufgabe ist es, die Lernerfolge des Schülers zu dokumentieren und seine Projektentscheidungen mit ihm zu besprechen.

André lässt sich neben Klaus fallen und berichtet ihm, dass er für vier Wochen in einer Versicherungsgesellschaft in der Nähe der Schule sein zweites Berufspraktikum machen wird. Sein Vater meinte, dass sei ein solider Beruf und er solle sich den doch mal ansehen. Schaden könne es ja nix, habe sein Coach gesagt. …

Es gehört zu den Aufgaben des Beratungslehrers, den langfristigen Entwicklungsweg des Kindes im Blick zu behalten sowie ihm die beruflichen Möglichkeiten aufzuzeigen. Dabei sollte ab dem 14. Lebensjahres jedes Jahr ein Berufspraktikum absolviert werden, welches in unterschiedliche Bereich falle: Soziales, Technik, Handwerk, Dienstleistung, etc.

Falls aber die Haltung des Kindes, sich dem Schulleben zu entziehen, über einen längeren Zeitraum anhält, ist eine Beratung oder ein Gespräch durch den Schulpsychologen möglich. Dabei sollte das Ziel nicht sein, zu indoktrinieren, sondern zu ermitteln, wie dem Schüler geholfen werden kann, ob es sich um eine „normale“ Entwicklungsphase handelt oder ob beim Schüler im Hintergrund ernstzunehmende Probleme seinen Rückzug bestimmen.

Nach zwei Sitzungen beim Schulpsychologen Berg stellte sich heraus, dass Klaus sich überfordert fühlte, sich ständig auf all die fremden Gesichter einzulassen. Der Psychologe erklärte dem Beratungslehrer, dass Klaus sich verloren fühlte, weil er auch in seiner Familie nicht das Gefühl habe, geborgen zu sein. Entwicklungsprozesse würden eben keine Beachtung finden …

Unterschiedliche Projekte oder ein offenes Kurssystem können sehr motivierend sein, dennoch kann sich das ein oder andere Kind verlieren, wenn es sich häufig auf neue Menschen einlassen muss. Es wäre zu erwarten, dass sich Interessensgemeinschaften entwickeln werden, dennoch würde es sich empfehlen, jedes Kind einer altersgleichen (und damit bis zum Schluss schulbegleitenden) Stammgruppe zu zuordnen, die von Beratungslehrern geleitet wird. Diese Stammgruppen haben in den ersten Wochen sowie in den letzten Wochen eines jeden Schuljahres gemeinsam Unterricht, tauschen Erfahrungen miteinander aus, vertiefen in der Zeit Sozialkompetenzen durch entsprechende Trainings und nutzen die Zeit für Gruppenfahrten, Auslandserfahrungen, Besprechungen des nächsten Schuljahres oder ähnliches mehr.

Klaus versucht noch immer seiner Tante zu erklären, dass er nicht im Fach Deutsch unterrichtet wird und er deswegen auch nicht weiß, was er da für eine Note hat. Oma Trudel fragt ihn zum 3. Mal nach seinem Zeugnis und Klaus kommt ins Schwitzen. Schließlich habe jeder Noten und jeder Zeugnisse, was er denn lerne, wenn er nicht mal Noten habe?

Natürlich schließt sich hieran die Frage nach den Noten, nach den Zeugnissen und nach Prüfungen an. Ob Noten, Zeugnissen und Prüfungen sinnvoll sind, sei dahingestellt, denn wir haben dieses System und müssten für deren Aufhebung eine Möglichkeit des Übergangs finden. Denkbar wäre es, dass man in den Stammgruppen für Jahrgangsabschlussprüfungen lernen kann. Aus den Inhalten der Projekte würde dann ein gemeinsamer Prüfungsinhalt geschaffen, worauf sich die Lehrer im Vorfeld (vorangegangenes Schuljahr) geeinigt haben. Diese Abschlussprüfungen in Form von mündlichen und schriftlichen Tests, eventuell auch in Form von Portfolios müssten entsprechend nach Gewichtung wieder Fächern oder zumindest nach Bereichen sortiert sein. Eine Sortierung nach Bereichen ließe sich transparenter für die Schüler und Eltern darstellen, wäre für die Wirtschaft nützlich, fügte sich allerdings am wenigsten in das derzeitige Schulsystem ein. Das Abschlusszeugnis würde durch ein Portfolio ersetzt, dass die Entwicklung und die Neigung des Heranwachsenden deutlich repräsentiert. Dies setzt voraus, dass diese Form von der Wirtschaft angenommen werden würde.

Fazit: Dieses Gedankenexperiment zeigt lediglich eine mögliche Perspektive auf, wie sich die Freiwilligkeit des Lernens auf unser derzeitiges Schulsystem auswirken könnte. Was es dafür zu berücksichtigen gälte. Das für den Lehrer dann die Arbeit einfacher würde, ergibt sich daraus, dass nicht immerzu der Wille eines Kindes gebrochen werden müsste, wenn es den Lerninhalt als Aufgabe nicht annehmen wollte. Anfänglich würden sicherlich viele Kinder diese Freiwilligkeit in Form von Entzug ihres Lernwillens nutzen, aber schon nach anfänglichem Chaos und Chillen könnte sich die Neugier und der Wunsch nach Lernen durchsetzen. Selbst, wenn sich dann ein Kind mal entzöge, ließe sich das durch das System vermutlich schneller auffangen.

Zurück aus dem Gedankenexperiment stellt sich die Frage noch immer, wie man ein Umdenken mit diesen Dimensionen in kleinen Schritten vollziehen will. Eine Freiwilligkeit des Unterrichtsbesuches und letztlich die Chance, zu lernen, was jemand anders als Lerninhalt, als Lerngegenstand anbietet kann nur mit einem offenen Angebot ermöglicht werden. Es braucht ein System, in dem ein Lerner die Entscheidung treffen kann, jetzt zu lernen und dann an der Stelle auch ein Angebot findet. Selbst aber im freiesten System gibt es Verbindlichkeiten, Rahmenstrukturen und Absprachen. Wie frei also ist freiwilliges Lernen in unserer Gesellschaft, solange wir Schulen brauchen, um die Kinder versorgt zu wissen, sobald die Eltern arbeiten gehen?

Wie viel Freiraum ist nötig.

Wie viel Freiraum ist möglich?

Das ist zu diskutieren …

Offener Brief an Frau Merkel

Sehr geehrte Frau Merkel,

Sie erledigen einen Job, um den ich Sie wenig beneide, allerdings in einer Form, die in mir die Frage aufkeimen lässt, ob Sie diesem Job gewachsen sind. Dass die Möglichkeit, etwas tun zu können, nicht zwingend voraussetzt, dass man das auch tun sollte, zeigt sich an zahlreichen modernen Erfindungen, die nicht zum Wohle der Menschheit genutzt werden.

Ich gehe davon aus, dass Sie intelligent genug sind zu erkennen, dass Deutschland zwar ein tolles Klima bietet, doch aber im Großen und Ganzen über wenig Bodenschätze verfügt, die sich abzubauen lohnen. Deutschland ist von außen betrachtet reizvoll, weil hier Lebensmittel auf dem Feld wachsen können und wir so viel produzieren, dass wir es sogar wegwerfen. Von innen betrachtet, mangelt es zunehmend an Zukunftsperspektiven, wohingegen die Armut dank Ihrer Politik zunimmt.

Wenn man mir die Frage stellte – und das tut keiner, da ich ja nicht so berühmt bin, dass ich es sagen könnte – was denn nun diesem Land helfen könnte, dann würde ich sagen: Nach Möglichkeit ALLES in die Bildung und Familienpolitik investieren. Ja, wozu sollen wir uns denn im Ausland verteidigen? Wozu brauchen wir diese ganzen Subventionen, wenn Lebensmittel weggeworfen werden? Wozu Straßen und neue Schilder? Wenn wir nicht die einzige Ressource, die wir haben, pflegen, ist es ohnedies nutzlos. Gut, ich bin realistisch genug, dass Sie sagen werden: „ALLES? Sie sind nicht bei Trost!“ Okay, ich weiß, dann weinen die Männer im Bundestag, wenn man ihnen die Jagdbomber wegnimmt. Ist auch viel wichtiger als eine neue Schule.
Sagen wir die Hälfte! Nehmen Sie nur die Hälfte von allen Steuereinnahmen.
1. Setzen Sie das Personal in Jugendämtern hoch, passen Sie die Löhne an die Verantwortung, die Sie tragen, an und kürzen Sie den Verwaltungskram um die Hälfte.
2. In jede Familie mit mehr als zwei Kindern gehört eine Hilfe hinein, die am Anfang Probleme auffängt, bevor es eskaliert. Erst wenn deutlich wird, dass die jungen Eltern ohne Hilfe auskommen, wird die Hilfe rausgenommen.
3. Setzen Sie die ersten sechs Lebensjahre des Kindes ein Elternteil als Arbeitskraft für die Gesellschaft aus, ab der Schulpflicht sollte kein Elternteil in den Ferien arbeiten müssen, es sei denn, die 2. Hälfte arbeitet nachweislich nicht.
4. Ergotherapie, Logopädie und Spieltherapie wenn nötig für jedes Kind verordnen lassen.
5. Stellen Sie sich vor: In Schulen arbeiten doppelt so viele Lehrer, im ausgebauten Freizeitbereich betreuen Erzieher Kinder von arbeitenden Eltern, wenn Stunden entfallen.
6. In jeder Schule sollte es für Lehrer die Möglichkeit zur Supervision geben und auf je 100 Schüler wird ein Sozialpädagoge eingestellt. Schulmaterialien werden von der Staatskasse getragen.
7. Die Schulen werden technisch anspruchsvoll mit Smartboard und Beamer ausgestattet. Für die Wartung steht ein Techniker zur Verfügung.
8. Für den Verwaltungsapparat wird ein Verwaltungsfachangestellter eingestellt.
9. Jeder Lehrkraft wird ein Arbeitsplatz mit Computer und Regal in der Schule ermöglicht.
10. Die Schulgebäude werden kernsaniert und insgesamt lebensfreundlicher, schulgerechter abgestimmt.
11. Es wird Geld in die Forschung investiert, wie am besten die Kinder zu beschulen sind und diese Konzepte werden schnell und wenig bürokratisch umgesetzt – denn, Frau Merkel, es gibt richtig gute voll funktionierende Schulkonzepte, die leider nicht flächendeckend in Deutschland umgesetzt werden.
Das allein wären alles Schritte in die Richtung, die die Deutschen nicht nur von einer Vergangenheit träumen lassen: „Einst waren wir das Volk der Dichter und Denker“. Sie würden eingehen als die berühmte Kanzlerin, die nicht nur die erste Frau im Amt war, sondern die den Mut hatte, ein Volk zu verändern. Aber richtig, ich vergaß. Der erste Teil des Satzes genügt ihnen, bei dem zweiten Teil setzen Sie mehr auf: „…, sondern die Frau, die sich bequem in die Fußstampfen eines Bundeskanzlers setzte, der für seine Aussitztaktik berühmt wurde.“
Gut, ein letztes Angebot, Frau Merkel: Investieren Sie vom Bruttosozialprodukt das Doppelte vom bisherigen Umfang in die Bildung und in die Familiepolitik. Das ist dann nicht so viel, aber wir könnten mit Ländern wie Schweden, Dänemark gleichziehen und uns überlegen, ob es zumindest zum sanieren der Schulen genügt; vielleicht können wir auch aus jedem zweiten Kind statt eines finanziellen Desasters für dessen Generation eine lebensfähige Arbeitskraft machen.
Ja, da wird eine Menge in Zukunft geschehen. Ich rüste meine Kinder, dass sie nicht hier leben müssen, Frau Merkel. Ich will nicht, dass meine Kinder unter Ihrer Politik und der Ihrer Genossen leiden müssen, als wir unter Kohl und Ihresgleichen! Sehen Sie sich die Katastrophe in Nordafrika an, diese Katastrophe ereilt dieses Land in wenigen Jahren auch, denn das Regime spielt keine Rolle. Es ist der Kapitalismus, der uns Menschen ins Gesicht lacht und unsere hässlichsten Charakterzüge offenbart. Ja, ich glaube, dass die Menschen in Frieden miteinander leben könnten, wenn sie nicht fürchten müssten, dass sie bestohlen werden, weil ein anderer schneller war. Das es auch anders geht, leben uns die Kulturen vor, die in den kälteren Zonen Europas leben.
Ich gebe zu, ich habe Sie nicht gewählt, sogar ziemlich radikal links war mein Kreuz, denn letztlich es egal, wenn ich von den Parteien wähle. Sie alle sind gleich, Sie alle sind gierige machtkorrupte Geier. Was also bleibt, als Piraten zu wählen, was also bleibt, als irgendwann das Licht an der Bühne zu löschen und zu gehen. Sorgen Sie also dafür, dass ich mir den nächsten Akt in Deutschland ansehe, sonst muss ich gehen. Ja, vermutlich ist meine Meinung und mein Einzelschicksal für Sie belanglos, doch in der Masse wird es ein gesellschaftliches Thema und dann vielleicht werden Sie wach und gucken, wie viel Machtgier kann ich diesem Druck entgegensetzen.
Ich bin froh, dass ich nicht ihren Job zu erledigen habe, aber ich bin sicher, ich würde mein Leben in den Dienst des Allgemeinwohls stellen und würde mein Bestes versuchen. Aber ich hab mit dieser Macht auch noch nicht geschlafen!
S. Hermann-Schenk

SCHULE – Vorbereitung auf das Leben danach durch Theater

Schule hat seit je her den Anspruch, auf das Leben als Erwachsener vorzubereiten. Dennoch wissen Generationen von Lernern, dass sie als Schüler im Unterricht mit Inhalten konfrontiert worden sind, die ihnen im späteren Leben nichts genutzt haben. Auf einige Bereiche des Lernens kann man sich direkt einigen, dass diese wirklich sinnvoll für das spätere Leben sind. Gehören aber Dramentheorien, literarische Gattungsformen, chemische Formeln, Farblehre und musikalische Epochen dazu?

Meiner Erfahrung nach eignet sich ein Mensch das an, was er braucht, wenn er es braucht oder für sich als wichtig genug erachtet, um es sich als Wissen, Fähigkeit oder Erfahrung anzueignen. Natürlich muss diese Fähigkeit des Lernens an sich trainiert werden. Da aber der Mensch instinktiv lernt wie er auch laufen lernt, weil es seine Vorgabe ist, sucht er sich seine Lernfelder auch selbständig.

Wozu braucht es dann noch eine Schule mit Lehrpläne?

Derzeit sind Schulen baulich sehr marode, vom Lehrerstand unterbesetzt – zumindest nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und nach dem gesundheitlichen Zustand der Lehrer zu urteilen – und lernunfreundlich, da wenig Lernraum  sondern lediglich vorgesetzter Inhalt angeboten wird. Die Lehrpläne berücksichtigen nicht, welche Inhalte von Kindern und Jugendlichen gelernt werden wollen, sondern welche Ideale von Lerninhalten gebildete und bildungsarrogante Erwachsene in entscheidungsfähigen Positionen mit teilweise fehlendem Bezug zu Kindern und Jugendlichen voraussetzen. Dennoch ist die grundsätzliche Idee von Schule sinnvoll:

  • Betreuung vieler Kinder durch wenige Erwachsen
  • Lernraum zur Vorbereitung auf das gesellschaftliche Leben
    • durch Gleichaltrige
    • durch Lernangebote
    • durch geschulte Erwachsene, die den Prozess unterstützen
    • durch gesetzte und freiwillige Gruppen
  • Sozialer Treffpunkt für Kinder und Jugendliche

Das System läuft insgesamt aber nicht rund, wenn das Sozialtraining als nebensächlich zu betrachten ist, da der Lehrplan erfüllt werden muss.

Ein Beispiel: Unserer Schule wurden jüngst vom Fairmobil besucht, unter der Leitung/ Schirmherrschaft vom Deutschen Roten Kreuz, mit dem Thema „Stark im MiteinanderN„. Es ermöglicht ein Sozialtrainingstag für die Klassengemeinschaft, um die Schwächeren zu stärken und das Selbstbewusstsein zu stabilisieren. In der von mir geleiteten Klasse haben wir keinen speziellen Außenseiter und einen recht stabilen Klassenzusammenhalt. Wir haben dafür fünf bis sechs Jungen, die jede Großgruppenarbeit sprengen, andere Kinder beleidigen und teilweise auch unterdrücken, weil wir acht sehr zurückhaltende Kinder haben und weil wir zudem unter den Mädchen und Jungen unglaublich kreative und dynamische Persönlichkeiten aufzuweisen haben. Auch gehören diese fünf Jungen nicht einer Gang an, sondern spliten sich – erfreulicherweise – in der Klasse in unterschiedlichen KLeingruppen auf. Prinzipiell bin ich also auch mit meiner Arbeit zufrieden, wünschte mir nur, die Beleidigungen und Scheinkämpfe, die Rangelleien und der Wettkampfgedanke würden teilweise ganz, manches etwas beigelegt werden. DIeser Fairmobiltag ermöglichte das Arbeiten an der Gruppe, wofür sonst so wenig Zeit bleibt, da es sich aber auch nur um einen Tag und nicht um eine intensive Workshoparbeit handelt, bleibt es bei einer Diagnose der Klassensituation und 1000 guten Ratschläge stehen. Theoretisch beginnt aber hier erst der Arbeitsprozess. Das geht aber nicht, weil der Lehrplan im Weg steht.

Der Lehrplan also dient nicht als Vehikel für das Lernen, für den Erwerb des gesellschaftlich gewünschten Sozialverhaltens (zu diskutieren, ob denn das Trainieren von gesellschaftlichem WUnschverhalten für alle Kinder und Jugendliche gesetzt sein sollte oder nicht, würde ich an dieser Stelle nicht wollen, denn letztlich gehe ich davon aus, dass jeder Mensch innerhalb seiner Mitmenschen eine anerkannte und akzeptierte Person sein will und dies funktioniert nur auf der Basis der aufgestellten Regeln.), sondern umgekehrt. Und meiner Ansicht nach ist das der falsche Ansatz. In einer Firma brauche ich teamfähige, kooperierende und selbständig arbeitende Mitarbeiter, die in der Lage sind, sich auf andere einzulassen, und wissen, worin die eigenen Stärken, Fähigkeiten und Schwächen bestehen.

Was aber hat das mit dem Theater zu tun?

Wenn wir davon ausgehen, dass die Schule die Kinder und Jugendlichen auf das Leben in der Gesellschaft, im Berufsleben und Alltagswelt vorbereiten soll, so dass wirtschaftlich, ökonomisch und sozial ein gesunder Mensch dabei herauskommt, dann kann das Theater dieses „Als ob“ leisten. Das Theater setzt nicht nur das gewünschte Sozialverhalten (Teamfähigkeit, rücksichtsvoller Umgang, Respekt vor dem anderen, Disziplin, Konzentration, Verantwortung, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Zielorientierung, Durchhaltevermögen, etc.) voraus, es trainiert dieses Verhalten zu dem Zweck des Theaterspielens gleichsam mit, denn ohne funktioniert das Theaterspiel nicht. Gleichzeitig kann das Theaterspiel Problembewusstsein und Problemlösung erschaffen, da die Themen auf die Gruppe auch als Sozialtraining gesetzt oder ausgewählt werden können. Ist Mobbing ein Gruppenthema, kann ich mithilfe theaterpädagogischer Führung an dieses Thema herantreten, ohne Vorwürfe, Appelle oder Maßnahmen setzen zu müssen. Siehe: http://miteinandern.de/spotlight.html Im Rahmen des Theaterspiels und rundherum zum Theater (Bühnenbau, Kostüme, Organisation von Auffürungen, von Proben, Umbaumaßnahmen, Kostenplanung, Rollenverteilung, Stückeauswahl, etc.) ist all das möglich zu lernen, was bislang verkopft in Schulen gelehrt wird, allerdings ohne das Zwangsjackenprinzip.

Lerninhalte sind sicher sinnvoll, aber nur dann, wenn sie als Beispiel dienen, an denen eine Fähigkeit erworben und trainiert wird, nicht als Selbstzweck. Wenn ich im Fach Arbeitslehre ein Regal zusammenbaue, dann geht es nicht um das Regal, sondern um die Ausbildung jener Fähigkeiten, die ich bei der Holzverarbeitung benötige: Bohren, sägen, schleifen, stecken, leimen. Wir tun im Unterricht aber immer so, als ginge es um das Regal, oder um die chemische Formel, oder um die Novellentheorie …

Dazu gehört auch diese Rechtfertigungsdiskussion zwischen Lehrern, die ein Nebenfach unterrichten und die Wichtigkeit dafür unterstreichen, dass dort ebenfalls Arbeiten geschrieben und dafür richtig gelernt werden muss, weil das Fach selbst unbedingt in den Lehrplan gehört. Vermutlich entstehen aus diesen „Nöten“ die inhaltliche Aufblasung des Faches, wie sie der Lehrplan für Musik, Kunst und andere kreative Fächer hergibt. 

Ich fragte einen Musikkollegen, weswegen er Musik unterrichte. Er meinte, weil er die Leidenschaft für Musik in den Kindern wecken wollte. Er selbst entstammte ärmlichen Verhältnissen, fand es traurig, dass sich seine Eltern nicht leisten konnten, ihm Unterricht für ein Instrument zu bezahlen, weswegen er dann seine Stimme zum Instrument machte. Diese Liebe und Lust am Musizieren will er wecken. Wie? Mit strengen Rhythmen, Notenblättern und mathematischen Spielen, was eine halbe und eine ganze NOte sei, mit Arbeitsblättern, mit Musiktests etc. Wieso nimmt der Kollege nicht seine Lust und Leidenschaft und schaut, wo sie bei den Kindern stecken, indem er sie experimentell an die Musik führt? Steht nicht im Lehrplan. Ich habe dem Kollegen daraufhin gesagt, dass doch der Lehrplan von Fachidioten entwickelt wurde und es an ihm wäre, erst die Lust dann den Eifer zu wecken, doch er hält sich an den Lehrplan, denn daran muss er sich halten, weil er ein Lehrer ist und weil er sich dazu verpflichtet hat und verpflichtet fühlt.  Der Lehrplan als Selbstzweck führt dann zum Tod von Kreativität, Lernlust und Lernvielfalt, obwohl der Lehrplan genau das Gegenteil vielleicht einmal gewollt hat.

Ja, ich plädiere für Theater als Schule zur Auflösung von Fächern, die es in der Welt der Erwachsenen nicht mehr gibt, die es in der Gesellschaft nicht gibt und die eine Struktur vorgaukeln, die es ebenfalls nicht gibt. Kein Jugendlicher macht gerne Mathematik und geht in den Berufsbereich Mathematik, sondern wird nach Berufen Ausschau halten, in denen vielleicht viel Mathematik zur Anwendung kommt, dann jedoch enttäuscht sein wird, wenn er Finanzwirt wird und überhaupt nicht mehr rechnet, sondern nur noch zählt.

Doch allein mit Theaterpädagogik zu arbeiten und ein Theaterspiel an das andere zu reihen, wird energetisch eine große Herausforderung für die Kinder und Jugendlichen, deswegen sollte eine ideale Schule eine Ausgewogenheit zwischen Projekten/Experimenten, Theaterspielen und Praktika erzielen, die den Lernern sinnvolles selbstgesteuertes Lernen ermöglicht, an Inhalten, die sie selbst zumindest mitbestimmen können und mit Methoden, die ihnen für das spätere Leben innerhalb der Gesellschaft nützen können.

Lernen in der Gruppe, lernen als Individuum – Projektschule

Zurzeit lernen in Schulen Kinder das, was Erwachsene wohldosiert vorbereiten, und von dem andere Erwachsene glauben, dass der Inhalt und die Form sinnvoll für die Bildung des Verstandes und der Vernunft sind. In Schulen wird weder hinsichtlich des Lehrers ein guter Arbeitsplatz geschaffen noch hinsichtlich des Schülers eine Lernsituation hergestellt, in der er sich angesprochen fühlt und wiederfindet.

Ist dann der Leitgedanke „Schule“ nicht falsch?

Hinsichtlich unserer Gesellschaftsstruktur nicht, denn wir haben uns so eingerichtet, dass die Kinder und Heranwachsenden von wenigen Erwachsenen betreut werden, damit die anderen Erwachsenen ihrer Arbeit nachgehen können. Wir haben die Vorbereitung auf die Gesellschaftsstruktur an sogenannte Fachkräfte übertragen.

Welches andere Modell von Schule?

Ich stelle also dem Schulsystem ein anderes Modell gegenüber, dass nach meiner Ansicht lehrer-, schüler- und gesellschaftssystemisch-orientierter ist – vorsichtig ausgedrückt. Statt schon einen Lernraum kultiviert zu haben und jeden Schüler in die Situation des Fertigen hineinzuschubsen, könnte man als Schule auch das Risiko eingehen, mit dem Schüler zusammen ein Konzept zu entwerfen, wie der Lernraum gestaltet werden kann, welche Mittel zur Verfügung stehen, welche bürokratischen Schritte notwendig sind und wie man Handlungen organisiert und Abläufe steuert.

Ein Anfang beim schwierigsten Alter?

Die Literatur spricht davon, dass das sogenannte schwierige Kindesalter mit 12 – 14 Jahren einsetzt. Ich halte dem entgegen, dass wir bislang mit dieser Entwicklungsphase falsch umgegangen sind. Statt den Heranwachsenden einen Ort zu geben, an dem sie sich ausprobieren können, an dem sie an ihre Grenzen gehen können und auch darüber hinaus, ohne Schaden zu nehmen, bieten wir ihnen größtmögliche Schonräume und tadeln ihre alternativen Testräume. Die Hirnforschung verrät uns seit Jahren, dass Jungen zum Beispiel nicht aus Dummheit sehr hohe Risiken wie Bahnsurfen oder körperliche Auseinandersetzungen eingehen, sondern die Hormone die Angstschwelle herabsetzen und das Einschätzungsvermögen von Gefahren und langfristigen Folgen noch nicht ausgebildet sind. Sie brauchen Herausforderungen. Diese werden ihnen von Seite der Schule nicht geboten, denn dort geht es nur um kognitive Stoffvermittlung.

Unsere Jugendlichen haben ferner wenig Bewegung, weil wir sie in Schulen stundenlang auf den Stuhl binden und sie deswegen motorisch müde sind. Mediziner, Hirnforscher sind sich einig, das sei ungesund, wir machen aber so weiter. Das führt dazu, dass angestauter Stress aus den Familien und überschüssige Aggression unter anderem durch Hormone bedingt, nicht abgebaut werden. Gleichzeitig konsumieren sie ungesunde Nahrung und sind durch die Stoffe darin, weiter angestachelt. Langfristig bezahlen wir für diese Schäden an der Gesundheit unserer Kinder einen hohen Preis.

Liegt es dann nicht nahe zu sagen, wir nutzen die Lust am Risiko der Jugendlichen und unser Wissen über die Zeit, die Gesundheit und die Entwicklung und geben ihnen die Lernfelder zurück, wo sie selbst sich ausprobieren dürfen, Risiken eingehen können und sie die Sicherheit haben, dass sie aufgefangen werden?

An der Projektschule kann den Kindern und Jugendlichen der Handlungsraum, der Bewegungsraum gegeben werden, der für ihre Entwicklung nötig ist. Dabei denke ich an Schule wie die Montessori Oberschule Potsdam, die einen Teil der Ideen gestiftet hat, die aber noch am Modell des Unterrichtens festhält. Mit der Aufforstung und Bewirtschaftung eines Naturgrundstücks haben jedoch die Jugendlichen genau die Möglichkeiten, die ich hier anspreche. www.potsdam-montessori.de  

Wie lässt sich das mit dem Schulleben vereinbaren?

Eine Möglichkeit wäre es, sie nicht nur am Schulleben zu beteiligen im Sinne eines mündlichen Nutzers sondern auch aktiv die Schule zu gestalten: Räume streichen, Essen kochen, Kabelschlitze schlagen, Dächer decken, Wände verputzen, Garten umgraben, Stühle schreinern, Tische bauen, etc. Alles, was in der Schule anfällt, sollten von Kindern und Jugendlichen im Maße der Möglichkeiten mitgetragen werden.

Aber was heißt: Im Maße der Möglichkeiten?

Kinderarbeit wurde in Deutschland abgeschafft und das aus gutem Grund, dennoch wollen Kinder Aufgaben und Lernfelder, die nicht nur durchdacht werden. Selbst wenn sie am Bau einer Wand, am Einsetzen eines Fensters oder ähnliches beteiligt sind, müssen die Grenzen zeitlich und handwerklich vorher klar bestimmt sein. Kinder sind zu jeder Zeit in ihrer Entwicklung für sich betrachtet ernstzunehmen. Ferner bleibt zu beachten, dass alle Kinder unterschiedlich belastbar sind, dies muss vorher beobachtet und besprochen sein. Ich gehe aber davon aus, dass die Lerner der Schule nicht wie zu beschulende leere Körper betrachtet werden sondern mit dem Respekt, dass sie in jedem Moment ernst zu nehmende offene und selbstbestimmende Lerner sind, die bereits ihre Persönlichkeit mitbringen. Schon durch diese kleine Verschiebung der Betrachtung wird der Umgang mit Kindern anders sein, denn sie haben Wünsche, Ängste, Ideen, Bedürfnisse und Sorgen, die aus ihrer eigenen Entwicklung und Wahrnehmung heraus ihre Daseinsberechtigung haben, selbst wenn wir sie als lächerlich betracht. Auch für uns selbst waren unsere Gedanken zu jeder Zeit wichtig und ernst zu nehmen, nicht lächerlich und kindisch, nur in der Rückschau fällen wir ein anderes Urteil. Für diese Herabsetzung des Kindes gibt es sowohl in der Soziogenese als auch in der Psychogenes unserer Kultur Gründe, aber vielleicht haben wir bald die geistige Entwicklung, uns über diesen Zustand zu erheben und einen neuen Weg zu gehen.

Denn, wenn wir den Respekt – den wir selbst oft nicht bekamen – als Haltung dem Kind an sich gegenüber erlernen können, wenn wir es nicht mehr nötig haben, sie belehren zu wollen, sondern ihren Weg zu begleiten, weil wir selbst schon verstanden haben, dass da mehr ist, als nur der momentane Gefühlszustand, dann würde sich persé die Schule verändern, selbst die zurzeit als Regelschule bezeichnete Schule.

Projektschule

Eine Schule, die dem Kind das Lernen auf Augenhöhe ermöglicht, statt Lernstoff mit dem Nürnberger Trichter einzufüllen, muss vom herkömmlichen Unterricht abgehen und das Kind in den Mittelpunkt des Lernens setzen. Meiner Erfahrung nach kann ich im Unterricht nicht individuell zugeschnitten den Inhalt konzipieren. Ich orientiere mich an der Lerngruppe, frage mich, was sie braucht, wie die einzelnen Mitglieder der Gruppe die Aufgabe bewältigen und welche Wege sie gehen können, welche Teilaufgaben von wem gut gemeistert werden können und wie sich die Teilergebnisse zusammensetzen lassen. Das Lernergebnis für die Gruppe steht also im Vordergrund. Dies wäre bei einer Projektschule nicht viel anders, denn auch hier steht bei dem jeweiligen Projekt das Ergebnis im Vordergrund. Durch die Beratungsinstanz (ein Beratungslehrer pro Lerner) und durch das individuelle Zusammensetzen der Projekte pro Jahr sowie der individuellen Wahl des Praktikums ergeben sich für jeden Lerner die Möglichkeiten, eigene Lernfelder zu bearbeiten und zu verfolgen.

Bedeutung der Gruppe

Innerhalb der sich immer wieder neu zusammensetzenden Gruppen lernen die Heranwachsenden sich zu orientieren und die für sie wichtigen Standpunkte zu festigen, gleichzeitig sind sie nicht einer Lerngruppe ausgesetzt. Damit aber dennoch eine Orientierung für den einzelnen möglich wird, gibt es eine Stammgruppe, die im Schwerpunkt das soziale Miteinander innerhalb einer Gruppe trainiert. Hier sollten die Lehrer so geschult sein, dass sie auf notwendige Impulse aus der Gruppe reagieren und für ein Sozialtraining nutzen können, statt ein vorgegebenes Programm abzuspulen, selbst wenn es noch so gut ist wie das von Lions Quest. Die Stammgruppe setzt sich aus annähernd Gleichaltrigen bzw. Entwicklungsgleichen zusammen, während die Projekte altersgemischt sind. Die altersgemischte Lerngruppe verändert das Sozialverhalten untereinander; Ältere werden als Vorbild angesehen, gleichzeitig übernehmen sie Verantwortung für Jüngere; Jüngere bemühen sich, das Sozialverhalten entsprechend den Älteren anzupassen. Die Stammgruppe bietet den Lernern eine Möglichkeit, in einer Gruppe sich als Gruppe zu identifizieren und dort eine Orientierung durch die Schulzeit zu haben, während sie in den Projektgruppen unterschiedliche Menschen kennenlernen, Vorbilder finden und Verantwortung lernen, anders als in der Stammgruppe. Die Projekte müssen nicht allein von Lehrern geleitet werden, hier empfiehlt sich eine Kooperation mit Fachleuten aus der Wirtschaft unter Begleitung des Lehrers für den pädagogischen Teil. Wichtig wäre hier, dass der Lehrer seine pädagogische Schulung vor allem für die Gruppenprozesse nutzt und den fachlichen Teil der Fachkraft überlässt, wenn solche Projekte zustande kommen.

Vier Lernhäuser

Hier mein Vorschlag, wie Schulen räumlich konzipiert sein sollten, damit das Lernen sinnvoll ist. Bei all den Vorschlägen würde ich die Ideen der Kinder und Jugendlichen, so das möglich ist, berücksichtigen. Dies ist also die gedankliche Weiterentwicklung, was ich zuvor unter dem Titel: „Projekt – Schule – Projektschule“ stichwortartig begonnen habe.

Ich will mit dem Begriff  „Lernhaus“ nicht an bisherige pädagogische Erkennntnisse anknüpfen, die Verwendung stellt lediglich die Vermeidung des Begriffs „Schulgebäude“ dar. Die Vorstellung von Schulgebäuden ist oft begleitet von zellenartigen zu kleinen Räumen entlang an langen Fluren mit hohen nackten Wänden und unpraktischer Raumnutzung.  Ein Lernhaus will vor allem ein Gebäude sein, in dem gelebt und gelernt wird. Deswegen ist der zentrale Ort des Gebäudes auch der lebendige Aufenthaltsraum, in dem gemeinsam gegessen, gelernt und entspannt werden kann.

Kinder und Jugendliche in vier Lernhäuser zu unterteilen, trägt unterschiedlichen Aspekten Rechnung. Zum einen brauchen Kinder je nach Alter ein anderes Lernmilieu, in dem sie sozusagen zuhause sind. Die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen vollzieht sich in Etappen. Zum anderen sind die Ansprüche der Kinder in den jeweiligen Phasen unterschiedliche. Ihre Bewußtheit von Zeit und Raum verändert sich und damit auch der Anspruch an das Lernumfeld. Die Altersgrenzen sind dabei fließend zu sehen, denn zwar gibt es einzelne Entwicklungsstadien, durch die nach und nach alle Kinder hindurch gehen, doch sind zum einen unterschiedliche Interessen vorhanden, zum anderen sind die Zeitstadien unterschiedlich. Die Kinder selbst sollten in jedem Lernhaus das Gefühl haben, an der richtigen Stelle zu sein und ihr Lernziel – was auch immer das gerade ist – erreichen zu können.

Das erste Lernhaus

 Mit der Schulreife, die nicht zwangsläufig mit dem sechsten Lebensjahr einhergeht, doch aber das ungefähre Alter umreißt, beginnt schulisch gesehen die erste Etappe. Sie dauert ungefähr drei Jahre an, das Kind lernt Lesen, Schreiben und Rechnen und interessiert sich vor allem für die Natur; manche können schon Lesen, andere wollen vielleicht noch nicht. HIer sollte der Rahmen sowohl für die einen als auch für die anderen gegeben sein. Die Entwicklung jeden Kindes sollte durch einen Betreuer begleitet und beobachtet werden, so dass für jedes Kind das richtige Lernumfeld entstehen kann.

 Das spielerische Lernen steht stark im Vordergrund. Erwachsene sehen häufig eine große Gefahr darin, wenn Kinder zu sehr dem Spiel verfangen sind, doch genau darin besteht der Vorteil: Das Lernen passiert dem Kind nebenher, wenn es spielt. Bisher sind Schulen so angelegt, dass diesem Spieltrieb wenig Raum gegeben wird. Eher wird er massiv eingedämmt, denn Lernen muss nach Elternmeinung ernsthaft sein und nicht spielerisch. Dem Spiel haftet im Sprachumgang etwas an, als sei es dem Lerner nicht zuträglich und würde nur vom reinen Lerninhalt ablenken. Dabei scheinen wir als Pädagogen und Eltern immer zu übersehen, was sich andere Bereiche zu nutzen gemacht haben: Die Lust am Spiel durch den Spaß. Alle Computerspiele zerren davon. Generationen von Spielern füllen die Spielemessen. Und all diese Spiele lassen die Spieler etwas lernen. Der Nutzen bei einigen Fertigkeiten, die die Spieler erwerben, ist oft unklar bzw. ungerichtet. In den meisten Fällen ist das Spielen der Selbstzweck. Spielte man früher mit Puppen, diente es wohl der Vorbereitung auf eigene Kinder, doch unterscheidet sich der Umgang mit den Puppen doch gravierend vom Umgang mit den Babies; so kann man die Spielerfahrung sicher nicht als reale Erfahrung verankern, von dem man herleitet, wie man nun wirklich ein Baby stillt. Neben den Spielen, die wir gern spielen, weil es einfach Spaß macht, gibt es auch die Möglichkeit, Spiele bereitzustellen, die das Lernen zielgerichtet unterstützen, sowohl bezogen auf jene Bereiche, von denen wir Erwachsene denken, dass Kinder die ein oder anderen Inhalte lernen sollten, als auch bezogen auf jene Bereiche, von denen Kinder für sich entdecken können, dass sie diese Inhalte erwerben wollen. Für mein Dafürhalten gibt es immer Dinge, die tatsächlich alle Kinder bis zu einem gewissen Grad zumindest kennen sollten (Zähneputzen, einfache Rechenarten beherrschen, Lesen, Kochen, Einkaufen, Computer benutzen, Putzen, Müllvermeidung, etc.).  Hier taucht die Frage auf, wie das mit dem Zwang zum Lernen ist. Als meine Tochter laufen lernte, wollte ich sie weder im Buggy festschnallen, noch mit einem Gängelband an der Leine führen, beides schien mir Freiheitsberaubung zu sein. Da wir aber in einer schnellen Stadt mit schnellen rücksichtslosen Autofahrern leben, prallen irgendwann kindliche Unerfahrung und elterliche Sorge im Straßenverkehr aufeinander. Trotz der Erklärung, dass die Straße gefährlich sei und sie nur auf das grüne Männchen warten müsse, bis sie gehen dürfe, lief sie irgendwann an einer Ampel bei rot los und ich rieß sie am Kragen noch so gerade zurück. Der Schock hat sie gelehrt, dass sie auf das grüne Männchen immer warten muss. Aber das musste sie lernen. Kein Weichspüler, kein vielleicht später, es musste sein. Zu dieser Welt gehören manche Regeln, die zu einem bestimmten Zeitpunkt gelernt werden müssen. Ich bin sicher, dass es viel weniger sind, als uns die derzeitigen Regeln in Schulen glauben machen wollen, aber einige sind es dennoch. Da jedoch Kinder alles imitieren (wie Erwachsene übrigens auch), wenn sie denjenigen lieben oder schätzen oder mögen, der ihnen etwas vormacht, bedarf es mehr Mut zum pädagogischen Eros und zum konsequenten Vorleben.

Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Schulanfänger inzwischen in sehr kleinen Familieneinheiten in der Großstadt aufwachsen, was dazu führt, dass sie häufig im Haus verbleiben, zu Treffen mit anderen Kindern gefahren werden und ansonsten das spielerische Außen nicht mehr kennen.[1] Dieses Erfahrungsspektrum kann die Schule neu erobern und in den Schulalltag der jüngeren Schüler wieder integrieren.

Beispiel 1: Budenbauen. Aus allen Materialien Buden zu bauen bedeutet nicht nur Spaß; es fordert nebenher Geschicklichkeit und räumliches Vorstellungsvermögen heraus. Unterschiedliche Materialien können eingesetzt werden, so dass die Kinder herausfinden können, wann das Bauen mit Lehm und Stroh erfolgreich ist und wozu Moose, Holz, Stroh und ähnliches mehr verwendet werden können.

Das erste Haus sollte das Erfahrungsfeld „Außen“ und das Erfahrungsfeld „Spiel“ in seiner Beschaffenheit integrieren. Da es drei Mal zwei Klassen gebe, böte sich ein u-förmiges Gebäude mit Ausrichtung auf einen natürlich belassenen Hof mit Bäumen, Büschen und Dickicht an, der im günstigsten Fall in einen Wald bzw. ein Naturschutzgebiet mündet. Das Haus selbst sollte viele Sinne ansprechen, ähnlich den Hundertwasserhäusern Natur integrieren und Ungleichmässigkeiten zulassen, viele Nischen haben. Herz des Hauses ist ein Aufenthaltsort, der sowohl für die Freizeit als auch für das gemeinsame Essen nützlich ist. Es befindet sich eine von älteren Schülern geleitete Bibliothek dort, die als Ruhebereich genutzt werden kann. Der Aufenthaltsbereich hat Kletter- und Rutschmöglichkeiten, damit sich selbst bei schlechtem Wetter ein körperlicher Ausgleich für die Kleinen ermöglichen lässt.

Das zweite Lernhaus

 Das zweite Lernhaus umfasst die Zeit, in der die Kinder mit ihren Freunden intensivere Bindungen eingehen, komplexere Aufgaben erfassen können und das Handwerkszeug „Lesen, Schreiben, Rechnen“ nutzen könnten. Es beginnt mit der vierten Klasse und endet mit der sechsten spätestens, was jedoch von der Entwicklung des Kindes abhängig ist. Eintrittsalter in die dritte Phase ist das Teenageralter und grenzt sich klar vom Kindverhalten ab. In diesem Haus sind also jene Kinder, die nicht mehr ganz so sehr kindlich sind, aber irgendwie zwischen dem einen und dem anderen Entwicklungsstadium stecken. Eine eigene Zeit, die ihren ganz eigenen Raum braucht. Ähnlich wie im ersten Haus gibt es einen zentralen Ort, anders als im ersten Haus steht hier allerdings nicht mehr die Natur selbst im Vordergrund sondern das experimentelle Erfassen der Umwelt. Die Räume bestimmen das Lernangebot in dem Maße, dass einige Inhalte wechseln können, andere fest installiert sind. Untergebracht sind in dem Haus bis zu sechs Lerngruppen, wobei durch die offene Übergangsform von Haus zwei zu drei Mal mehr und mal weniger Kinder vorhanden sind.

Das dritte Lernhaus

Das dritte Lernhaus hat ebenfalls wie alle anderen Häuser auch ein Zentrum für die Teenager. Ab 12/13 Jahren – je nach Entwicklung – starten die Kinder in dem Haus bis sie soweit sind, dass sie in das Abschlussjahr gehen können. Ob die Reife für das Abschlussjahr erreicht wurde, lässt sich durch eine geeignete Prüfung sowie durch das Portfolio ersehen. In diesem Haus stehen vor allem die Persönlichkeitsentwicklung und die Berufsvorbereitung im Vordergrund. Fertigkeiten im Umgang mit dem Computer werden trainiert, Praktika in umliegende Firmen und Betriebe absolviert und Projekte zielgerichtet auf die eigene Fortentwicklung ausgewählt. Dazu steht jedem Lerner ein Beratungslehrer an der Seite; dieser Lernberater begleitet im günstigsten Fall die gesamte Entwicklung ab dem dritten Haus und dokumentiert neben dem Schülerportfolio den Lernfortgang kontinuierlich. Für die Neuzugänge aus Haus zwei oder von Außen werden Patenschaften vermittelt, damit die Jugendlichen sich orientieren können. Es gibt Stammgruppen pro Jahrgang, die als feste Gruppe bestehend aus Gleichaltrigen den Lerner begleiten. Da die Entwicklung von Teamfähigkeit ebenso wichtig ist wie das Lernen für das eigene Ziel, ist die Stammgruppe sozusagen eine Beobachterinstanz auf Augenhöhe der Lerner selbst. Erfahrungen können vertiefend miteinander verglichen werden. Durch diese Zeugenschaft ergibt sich im günstigsten Fall eine positive Teamgemeinschaft, die ohne Konkurrenzdruck auskommt.[2]

Aufgrund der Vielfalt an Projekten muss das Haus sehr variabel sein, entsprechend bleibt der Raum hier eher Projektionsfläche. Umso wichtiger ist auch hier das Zentrum, das als Aufenthaltsbereich genutzt werden soll.

Das vierte Lernhaus

Das vierte Lernhaus ist neben dem Haus für den Abschlussjahrgang (zumindest solange nicht eine Abschlussdifferenzierung für mehrere Jahre vorgenommen wird) das zentrale Haus, in dem sie sich aufhalten, zusammen das Theaterprojekt erarbeiten und sich auf die Abschlussprüfungen vorbereiten. Eine Aula wird ebenfalls in diesem Haus untergebracht, damit dort die erste Aufführung der Abschlussinszenierung wie auch die Ehrung der Absolventen statt finden kann. In diesem letzten Haus werden keine Projekte mehr starten, denn hier wird alles zu einem Ende gebracht. Überarbeiten des Portfolios, Beratungsgespräche für Bewerbungen, Beratungsgespräche für die zukünftige Laufbahn als Lerner, Teilnahme an dem Abschlusstheaterprojekt, Auslandaustausch, Prüfungen. Dieses Haus verfügt über viele Arbeitsnischen, eine vorbereitete Bibliothek und über ausreichend Internetzugänge für den Abschluss.

Der Verwaltungstrakt

 Neben den Lernhäusern für die Lerner und Lehrer kommt die Schule ohne Verwaltungsgebäude nicht aus. Dieses wird mit Hilfe eines Durchgangsflurs mit dem vierten Lernhaus verbunden.

Jedem Verwaltungsmitglied steht ein Büro zur Verfügung, weiter gibt es einen umbaufähigen Konferenzraum. Das Schulleiterteam setzt sich im günstigsten Fall aus folgenden Institutionen zusammen: Eine pädagogisch-didaktischen Leitung, einer Leitung für alle PR-Angelegenheiten, einer geschäftlichen Leitung, einer Organisatorischen Leitung (evtl. zwei Personen) und einer psychologischen Kraft für die Lehrkräfte und alle anderen Angestellten.

  • Pädagogisch-didaktische Leitung: Zu den Aufgaben zählt es, die staatlichen Vorgaben im schulischen Konzept zu integrieren. Projekte zusammen mit den Lernhausleitern konzeptionieren und evaluieren (in Zusammenarbeit mit der PR-Leitung).
  • Geschäftliche Leitung: Da diese Schule die Kosten für die Elternschaft gering halten will, müssen Geldgeber, Spender, Fondtöpfe akquiriert werden. Gleichzeitig läuft hier die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zusammen. Praktika, Auslandfahrten, Wettbewerbe, Forschungsgelder, etc. gehört in diesen Bereich, aber auch Anstellung von nicht-staatlichen Angestellten.
  • PR-Leitung: Evaluation, Nachhaltigkeit des Systems, öffentliche Diskussionen, Kontrollberichte, öffentliche Auftritte, Informationsveranstaltungen.
  • Organisation: Projektplanung, Stammgruppen, Jahresplanung, Zeitkontingent für Arbeitskräfte, Konferenzen, Schüleraufnahme, etc.
  • Psychologische Kraft: Supervision, Teamgesprächsführung, Fortbildungsmaßnahmen, etc.

Wenn der Leitungsapparat erkennt, dass in einem Bereich wenig zu tun ist, kann die Arbeit aus einem anderen Bereich übertragen werden – falls vom Know-how denkbar. Wenn der Leitungsapparat erkennt, dass der Arbeitsbereich eine Ergänzungskraft braucht, sollte diese an die Seite gestellt werden. Ältere Lerner können ihrerseits Praktika in Verwaltungsbereichen machen und Aufgaben überantwortet bekommen, die ihre Handlungsbereiche betreffen.


[1] Dass es sich so verhält, dafür gibt es zahlreiche Gründe, auch weshalb Eltern das zulassen. Tatsächlich fehlt den Kindern inzwischen die Erfahrungswelt „Draußen“, damit gehen wertvolle Kenntnisse aber verloren.

[2] Im herkömmlichen Schulsystem wird durch die Noten, die der Lehrer gibt, Konkurrenzdenken gefördert. Da der Lehrer zum einen derjenige ist, der die Bewertung einer Leistung festlegt und zum anderen, die Bewertung vornimmt, ergibt sich daraus ein erhöhter Konkurrenzkampf um die Rangfolge. Wenn das entfällt, bliebe die Hoffnung, dass damit Teamfähigkeit im positiven Sinne in der Gruppe als Potential freigesetzt wird.

Lehrer – König des Zeitmanagments?

In kaum einen Beruf brennt man so schnell aus wie im Lehrberuf. Das tun Lehrer nicht, weil sie verbeamtet werden – wie gemeinhin angenommen wird –, sondern, weil der Arbeitsplatz an so vielen Stellen kleine Zeitfresser hat, denen er sich ständig ausliefern muss, damit der gesamte Schulbetrieb aufrechterhalten bleiben kann.

Der Illusion „Lehrer stehen nur im Unterricht und müssen nur kurz vorher mal überlegen, was sie dann so machen“ erliegen sehr viele Eltern, das Unterrichten macht aber knapp 10 bis 15 % des Berufsbildes – wie man so schön sagen kann; vielleicht kommt man auch auf 20 bis 25 %.

Was tun denn die Lehrer alles so? Sie sitzen in Konferenzen.

Auch. An meiner Schule komme ich im Monat auf ca. sechs Zeitstunden allein für die Konferenzen. Damit will ich nicht sagen, dass ich sie abschaffen möchte – wobei sich über die Form streiten ließe –, aber die Anerkennung als Arbeitszeit wäre eine sinnvolle Ergänzung zum bisherigen Umgang mit diesr Zeit. Aber da gibt es noch einiges mehr, denn die Konferenzen stellen nicht das Gros meiner Arbeitszeit.

Was ich alles tue:

Ich beschaffe mir Räume, wenn der Raum nach Plan nicht groß genug für die Lerngruppe ist. Ich kaufe Material für die Schule (Plakate, Folienstifte, buntes Papier, dicke Stifte). Ich recherchiere Hintergrundinformationen für Projekte, plane und konzipiere Unterrichtsreihen, –einheiten und –stunden, bereite Unterrichtsmaterial für Lernstationen oder für Kooperative Lernphasen vor. Ich telefoniere Eltern hinterher, weil ihre Kinder nicht zum Unterricht erschienen sind. Ich habe Beratungsgespräche mit Eltern und Schülern, habe Besprechungstermine mit Lehrern, um Unterrichtsinhalte abzustimmen. Ich kümmere mich um Verletzungen, Erkrankungen und um die Versorgung der Schüler. Ich befasse mich mit Streitigkeiten, Diebstahl von Schülereigentum, verlorenen Unterrichtsmaterialien. Ich kümmere mich um eine Raumbelegung für eine Theateraufführung. Ich erstelle Plakate zur Bewerbung von Veranstaltungen. Ich hänge Listen für Kollegen aus, wann ich eventuell einen ihrer Schüler für eine Extrastunde, Zusatzproben oder zur Besprechung brauche. Ich betreue Kinder im Offenen Angebot, in Pausen und während Nacharbeitsstunden. Ich korrigiere Klausuren, Klassenarbeiten, Hefter, Hausaufgaben, Lesetagebücher, Plakate. Ich trage Noten in mehrere Listen ein. Ich überprüfe, ob fehlende Schüler entschuldigt oder unentschuldigt fehlen. Ich protokolliere im Klassenbuch und in Kursbüchern, wann ich was gemacht habe. Ich fülle Anträge für Unterrichtsgänge, für gehaltene Vertretungsstunden, für Sonderurlaubswünsche, für Projekte und für Bezuschussungen aus. Ich erkundige mich nach den persönlichen Problemen von Schülern. Ich sitze in Vertretungsstunden und beaufsichtige fremde Klassen. Ich schule mich im Umgang mit den Möglichkeiten der PC-Nutzung an unserer Schule. Ich sortiere Akteneintragungen meiner von mir betreuten Klasse in die Schülerakten ein. Ich evaluiere mein Verhalten, mein Unterrichten, meinen Methodeneinsatz. Ich bilde mich im Umgang mit neuen Medien fort. Ich nehme teil an Konferenzen.

Manche Dinge tu ich natürlich nicht ständig, aber es führt dennoch zum Zeitkollaps.

Eine Schule, die mit ihren Ressourcen sinnvoll umgeht, berücksichtigt diese Zeitfresser.

Wie soll das gehen?

Für einige Dinge muss nicht der Lehrer selbst zuständig sein, denn entweder sind das Schulbelange (Schulleitung und Schulverwaltung) oder es sind Schülerangelegenheiten. Vieles ließe sich durch eine neue Definition des Schulbetriebes in andere Bereiche und auf andere Arbeitskräfte verlagern, wenn man entsprechend Sozialpädagogen, Verwaltungsfachangestellte und Betreuungspersonal ins Schulwesen integriert. Manche Dinge werden durch das Schulsystem bedingt zum Zeitfresser. Ein wichtiger Schwerpunkt im Schulbetrieb ist die lückenlose 100%ige Beaufsichtigung von Jugendlichen und Kindern. Wenn man statt einer flächendeckenden Kontrolle an bestimmten Stellen den Schülern so viel Raum geben könnte, dass sie Freiwilligkeiten entdecken könnten, hätten Lehrer gleichzeitig die Möglichkeit, zwischendurch Pausen zu setzen.

Gebe man den Schülern kleinere für ihr Alter angemessene Aufenthaltsräume, die sogar atmosphärisch zu dieser Altersgruppe passen, weil sie sich selbst diese eingerichtet haben (eventuell nach eigenen Plänen auch gebaut haben), dann werden sie vermutlich entsprechend sorgsamer damit umgehen wollen. Die Betreuung ließe sich durch Erzieher, Sozialpädagogen und Hilfskräfte organisieren.

Wieso aber ist das nicht denkbar?

Momentan ist das zu teuer, denn Lehrer werden nicht nach den Realstunden, die sie in Schulen investieren, bezahlt, sondern nur nach Unterrichtsstunden. Es fehlt an der Anerkennung dessen, was Lehrer tatsächlich leisten. Wenn das erfolgen würde, dann müsste man als zweiten Schritt zugeben, dass Lehrer sich eigentlich auf das konzentrieren sollten, wofür sie eingestellt werden, dass sie als Pausenaufsicht zu teuer sind und für Verwaltungsaufgaben gar nicht ausgebildet sind. Dabei geht es nicht darum, dass sie mehr verdienen müssen. Wenn die obengenannten Aspekte des Berufsbildes mit angerechneter Arbeitszeit angemessen bestätigt werden, dann erst kann eine Teilzeitkraft wissen, wann sie nur einen Halbtagsjob hat und wann sie über 30 Arbeitsstunden kommt.

Das wird aber nicht freiwillig passieren, denn schließlich sind wir Lehrer so billig für alle Dienste und alle Aufgabenbereiche einsetzbar, bis wir eben aufgrund dieser sehr stressigen Arbeitsplatzbedingungen zusammenbrechen. Dann sind wir beruflich kaum noch tragbar und werden teuer.

Die Frage ist, wann wir aus diesem Irrsinn aussteigen und nicht mehr die Quantität für Qualität halten. Oder anders gesagt: Wann lernen wir, dass wir unsere Ressourcen besser verteilen und einteilen müssen, damit sich insgesamt die Qualität steigern lässt? Schon gerade in einem Land, in dem wir doch noch immer vom Wohlstand geprägt sind!