SCHULE – Vorbereitung auf das Leben danach durch Theater

Schule hat seit je her den Anspruch, auf das Leben als Erwachsener vorzubereiten. Dennoch wissen Generationen von Lernern, dass sie als Schüler im Unterricht mit Inhalten konfrontiert worden sind, die ihnen im späteren Leben nichts genutzt haben. Auf einige Bereiche des Lernens kann man sich direkt einigen, dass diese wirklich sinnvoll für das spätere Leben sind. Gehören aber Dramentheorien, literarische Gattungsformen, chemische Formeln, Farblehre und musikalische Epochen dazu?

Meiner Erfahrung nach eignet sich ein Mensch das an, was er braucht, wenn er es braucht oder für sich als wichtig genug erachtet, um es sich als Wissen, Fähigkeit oder Erfahrung anzueignen. Natürlich muss diese Fähigkeit des Lernens an sich trainiert werden. Da aber der Mensch instinktiv lernt wie er auch laufen lernt, weil es seine Vorgabe ist, sucht er sich seine Lernfelder auch selbständig.

Wozu braucht es dann noch eine Schule mit Lehrpläne?

Derzeit sind Schulen baulich sehr marode, vom Lehrerstand unterbesetzt – zumindest nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und nach dem gesundheitlichen Zustand der Lehrer zu urteilen – und lernunfreundlich, da wenig Lernraum  sondern lediglich vorgesetzter Inhalt angeboten wird. Die Lehrpläne berücksichtigen nicht, welche Inhalte von Kindern und Jugendlichen gelernt werden wollen, sondern welche Ideale von Lerninhalten gebildete und bildungsarrogante Erwachsene in entscheidungsfähigen Positionen mit teilweise fehlendem Bezug zu Kindern und Jugendlichen voraussetzen. Dennoch ist die grundsätzliche Idee von Schule sinnvoll:

  • Betreuung vieler Kinder durch wenige Erwachsen
  • Lernraum zur Vorbereitung auf das gesellschaftliche Leben
    • durch Gleichaltrige
    • durch Lernangebote
    • durch geschulte Erwachsene, die den Prozess unterstützen
    • durch gesetzte und freiwillige Gruppen
  • Sozialer Treffpunkt für Kinder und Jugendliche

Das System läuft insgesamt aber nicht rund, wenn das Sozialtraining als nebensächlich zu betrachten ist, da der Lehrplan erfüllt werden muss.

Ein Beispiel: Unserer Schule wurden jüngst vom Fairmobil besucht, unter der Leitung/ Schirmherrschaft vom Deutschen Roten Kreuz, mit dem Thema „Stark im MiteinanderN„. Es ermöglicht ein Sozialtrainingstag für die Klassengemeinschaft, um die Schwächeren zu stärken und das Selbstbewusstsein zu stabilisieren. In der von mir geleiteten Klasse haben wir keinen speziellen Außenseiter und einen recht stabilen Klassenzusammenhalt. Wir haben dafür fünf bis sechs Jungen, die jede Großgruppenarbeit sprengen, andere Kinder beleidigen und teilweise auch unterdrücken, weil wir acht sehr zurückhaltende Kinder haben und weil wir zudem unter den Mädchen und Jungen unglaublich kreative und dynamische Persönlichkeiten aufzuweisen haben. Auch gehören diese fünf Jungen nicht einer Gang an, sondern spliten sich – erfreulicherweise – in der Klasse in unterschiedlichen KLeingruppen auf. Prinzipiell bin ich also auch mit meiner Arbeit zufrieden, wünschte mir nur, die Beleidigungen und Scheinkämpfe, die Rangelleien und der Wettkampfgedanke würden teilweise ganz, manches etwas beigelegt werden. DIeser Fairmobiltag ermöglichte das Arbeiten an der Gruppe, wofür sonst so wenig Zeit bleibt, da es sich aber auch nur um einen Tag und nicht um eine intensive Workshoparbeit handelt, bleibt es bei einer Diagnose der Klassensituation und 1000 guten Ratschläge stehen. Theoretisch beginnt aber hier erst der Arbeitsprozess. Das geht aber nicht, weil der Lehrplan im Weg steht.

Der Lehrplan also dient nicht als Vehikel für das Lernen, für den Erwerb des gesellschaftlich gewünschten Sozialverhaltens (zu diskutieren, ob denn das Trainieren von gesellschaftlichem WUnschverhalten für alle Kinder und Jugendliche gesetzt sein sollte oder nicht, würde ich an dieser Stelle nicht wollen, denn letztlich gehe ich davon aus, dass jeder Mensch innerhalb seiner Mitmenschen eine anerkannte und akzeptierte Person sein will und dies funktioniert nur auf der Basis der aufgestellten Regeln.), sondern umgekehrt. Und meiner Ansicht nach ist das der falsche Ansatz. In einer Firma brauche ich teamfähige, kooperierende und selbständig arbeitende Mitarbeiter, die in der Lage sind, sich auf andere einzulassen, und wissen, worin die eigenen Stärken, Fähigkeiten und Schwächen bestehen.

Was aber hat das mit dem Theater zu tun?

Wenn wir davon ausgehen, dass die Schule die Kinder und Jugendlichen auf das Leben in der Gesellschaft, im Berufsleben und Alltagswelt vorbereiten soll, so dass wirtschaftlich, ökonomisch und sozial ein gesunder Mensch dabei herauskommt, dann kann das Theater dieses „Als ob“ leisten. Das Theater setzt nicht nur das gewünschte Sozialverhalten (Teamfähigkeit, rücksichtsvoller Umgang, Respekt vor dem anderen, Disziplin, Konzentration, Verantwortung, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Zielorientierung, Durchhaltevermögen, etc.) voraus, es trainiert dieses Verhalten zu dem Zweck des Theaterspielens gleichsam mit, denn ohne funktioniert das Theaterspiel nicht. Gleichzeitig kann das Theaterspiel Problembewusstsein und Problemlösung erschaffen, da die Themen auf die Gruppe auch als Sozialtraining gesetzt oder ausgewählt werden können. Ist Mobbing ein Gruppenthema, kann ich mithilfe theaterpädagogischer Führung an dieses Thema herantreten, ohne Vorwürfe, Appelle oder Maßnahmen setzen zu müssen. Siehe: http://miteinandern.de/spotlight.html Im Rahmen des Theaterspiels und rundherum zum Theater (Bühnenbau, Kostüme, Organisation von Auffürungen, von Proben, Umbaumaßnahmen, Kostenplanung, Rollenverteilung, Stückeauswahl, etc.) ist all das möglich zu lernen, was bislang verkopft in Schulen gelehrt wird, allerdings ohne das Zwangsjackenprinzip.

Lerninhalte sind sicher sinnvoll, aber nur dann, wenn sie als Beispiel dienen, an denen eine Fähigkeit erworben und trainiert wird, nicht als Selbstzweck. Wenn ich im Fach Arbeitslehre ein Regal zusammenbaue, dann geht es nicht um das Regal, sondern um die Ausbildung jener Fähigkeiten, die ich bei der Holzverarbeitung benötige: Bohren, sägen, schleifen, stecken, leimen. Wir tun im Unterricht aber immer so, als ginge es um das Regal, oder um die chemische Formel, oder um die Novellentheorie …

Dazu gehört auch diese Rechtfertigungsdiskussion zwischen Lehrern, die ein Nebenfach unterrichten und die Wichtigkeit dafür unterstreichen, dass dort ebenfalls Arbeiten geschrieben und dafür richtig gelernt werden muss, weil das Fach selbst unbedingt in den Lehrplan gehört. Vermutlich entstehen aus diesen „Nöten“ die inhaltliche Aufblasung des Faches, wie sie der Lehrplan für Musik, Kunst und andere kreative Fächer hergibt. 

Ich fragte einen Musikkollegen, weswegen er Musik unterrichte. Er meinte, weil er die Leidenschaft für Musik in den Kindern wecken wollte. Er selbst entstammte ärmlichen Verhältnissen, fand es traurig, dass sich seine Eltern nicht leisten konnten, ihm Unterricht für ein Instrument zu bezahlen, weswegen er dann seine Stimme zum Instrument machte. Diese Liebe und Lust am Musizieren will er wecken. Wie? Mit strengen Rhythmen, Notenblättern und mathematischen Spielen, was eine halbe und eine ganze NOte sei, mit Arbeitsblättern, mit Musiktests etc. Wieso nimmt der Kollege nicht seine Lust und Leidenschaft und schaut, wo sie bei den Kindern stecken, indem er sie experimentell an die Musik führt? Steht nicht im Lehrplan. Ich habe dem Kollegen daraufhin gesagt, dass doch der Lehrplan von Fachidioten entwickelt wurde und es an ihm wäre, erst die Lust dann den Eifer zu wecken, doch er hält sich an den Lehrplan, denn daran muss er sich halten, weil er ein Lehrer ist und weil er sich dazu verpflichtet hat und verpflichtet fühlt.  Der Lehrplan als Selbstzweck führt dann zum Tod von Kreativität, Lernlust und Lernvielfalt, obwohl der Lehrplan genau das Gegenteil vielleicht einmal gewollt hat.

Ja, ich plädiere für Theater als Schule zur Auflösung von Fächern, die es in der Welt der Erwachsenen nicht mehr gibt, die es in der Gesellschaft nicht gibt und die eine Struktur vorgaukeln, die es ebenfalls nicht gibt. Kein Jugendlicher macht gerne Mathematik und geht in den Berufsbereich Mathematik, sondern wird nach Berufen Ausschau halten, in denen vielleicht viel Mathematik zur Anwendung kommt, dann jedoch enttäuscht sein wird, wenn er Finanzwirt wird und überhaupt nicht mehr rechnet, sondern nur noch zählt.

Doch allein mit Theaterpädagogik zu arbeiten und ein Theaterspiel an das andere zu reihen, wird energetisch eine große Herausforderung für die Kinder und Jugendlichen, deswegen sollte eine ideale Schule eine Ausgewogenheit zwischen Projekten/Experimenten, Theaterspielen und Praktika erzielen, die den Lernern sinnvolles selbstgesteuertes Lernen ermöglicht, an Inhalten, die sie selbst zumindest mitbestimmen können und mit Methoden, die ihnen für das spätere Leben innerhalb der Gesellschaft nützen können.

Lernen in der Gruppe, lernen als Individuum – Projektschule

Zurzeit lernen in Schulen Kinder das, was Erwachsene wohldosiert vorbereiten, und von dem andere Erwachsene glauben, dass der Inhalt und die Form sinnvoll für die Bildung des Verstandes und der Vernunft sind. In Schulen wird weder hinsichtlich des Lehrers ein guter Arbeitsplatz geschaffen noch hinsichtlich des Schülers eine Lernsituation hergestellt, in der er sich angesprochen fühlt und wiederfindet.

Ist dann der Leitgedanke „Schule“ nicht falsch?

Hinsichtlich unserer Gesellschaftsstruktur nicht, denn wir haben uns so eingerichtet, dass die Kinder und Heranwachsenden von wenigen Erwachsenen betreut werden, damit die anderen Erwachsenen ihrer Arbeit nachgehen können. Wir haben die Vorbereitung auf die Gesellschaftsstruktur an sogenannte Fachkräfte übertragen.

Welches andere Modell von Schule?

Ich stelle also dem Schulsystem ein anderes Modell gegenüber, dass nach meiner Ansicht lehrer-, schüler- und gesellschaftssystemisch-orientierter ist – vorsichtig ausgedrückt. Statt schon einen Lernraum kultiviert zu haben und jeden Schüler in die Situation des Fertigen hineinzuschubsen, könnte man als Schule auch das Risiko eingehen, mit dem Schüler zusammen ein Konzept zu entwerfen, wie der Lernraum gestaltet werden kann, welche Mittel zur Verfügung stehen, welche bürokratischen Schritte notwendig sind und wie man Handlungen organisiert und Abläufe steuert.

Ein Anfang beim schwierigsten Alter?

Die Literatur spricht davon, dass das sogenannte schwierige Kindesalter mit 12 – 14 Jahren einsetzt. Ich halte dem entgegen, dass wir bislang mit dieser Entwicklungsphase falsch umgegangen sind. Statt den Heranwachsenden einen Ort zu geben, an dem sie sich ausprobieren können, an dem sie an ihre Grenzen gehen können und auch darüber hinaus, ohne Schaden zu nehmen, bieten wir ihnen größtmögliche Schonräume und tadeln ihre alternativen Testräume. Die Hirnforschung verrät uns seit Jahren, dass Jungen zum Beispiel nicht aus Dummheit sehr hohe Risiken wie Bahnsurfen oder körperliche Auseinandersetzungen eingehen, sondern die Hormone die Angstschwelle herabsetzen und das Einschätzungsvermögen von Gefahren und langfristigen Folgen noch nicht ausgebildet sind. Sie brauchen Herausforderungen. Diese werden ihnen von Seite der Schule nicht geboten, denn dort geht es nur um kognitive Stoffvermittlung.

Unsere Jugendlichen haben ferner wenig Bewegung, weil wir sie in Schulen stundenlang auf den Stuhl binden und sie deswegen motorisch müde sind. Mediziner, Hirnforscher sind sich einig, das sei ungesund, wir machen aber so weiter. Das führt dazu, dass angestauter Stress aus den Familien und überschüssige Aggression unter anderem durch Hormone bedingt, nicht abgebaut werden. Gleichzeitig konsumieren sie ungesunde Nahrung und sind durch die Stoffe darin, weiter angestachelt. Langfristig bezahlen wir für diese Schäden an der Gesundheit unserer Kinder einen hohen Preis.

Liegt es dann nicht nahe zu sagen, wir nutzen die Lust am Risiko der Jugendlichen und unser Wissen über die Zeit, die Gesundheit und die Entwicklung und geben ihnen die Lernfelder zurück, wo sie selbst sich ausprobieren dürfen, Risiken eingehen können und sie die Sicherheit haben, dass sie aufgefangen werden?

An der Projektschule kann den Kindern und Jugendlichen der Handlungsraum, der Bewegungsraum gegeben werden, der für ihre Entwicklung nötig ist. Dabei denke ich an Schule wie die Montessori Oberschule Potsdam, die einen Teil der Ideen gestiftet hat, die aber noch am Modell des Unterrichtens festhält. Mit der Aufforstung und Bewirtschaftung eines Naturgrundstücks haben jedoch die Jugendlichen genau die Möglichkeiten, die ich hier anspreche. www.potsdam-montessori.de  

Wie lässt sich das mit dem Schulleben vereinbaren?

Eine Möglichkeit wäre es, sie nicht nur am Schulleben zu beteiligen im Sinne eines mündlichen Nutzers sondern auch aktiv die Schule zu gestalten: Räume streichen, Essen kochen, Kabelschlitze schlagen, Dächer decken, Wände verputzen, Garten umgraben, Stühle schreinern, Tische bauen, etc. Alles, was in der Schule anfällt, sollten von Kindern und Jugendlichen im Maße der Möglichkeiten mitgetragen werden.

Aber was heißt: Im Maße der Möglichkeiten?

Kinderarbeit wurde in Deutschland abgeschafft und das aus gutem Grund, dennoch wollen Kinder Aufgaben und Lernfelder, die nicht nur durchdacht werden. Selbst wenn sie am Bau einer Wand, am Einsetzen eines Fensters oder ähnliches beteiligt sind, müssen die Grenzen zeitlich und handwerklich vorher klar bestimmt sein. Kinder sind zu jeder Zeit in ihrer Entwicklung für sich betrachtet ernstzunehmen. Ferner bleibt zu beachten, dass alle Kinder unterschiedlich belastbar sind, dies muss vorher beobachtet und besprochen sein. Ich gehe aber davon aus, dass die Lerner der Schule nicht wie zu beschulende leere Körper betrachtet werden sondern mit dem Respekt, dass sie in jedem Moment ernst zu nehmende offene und selbstbestimmende Lerner sind, die bereits ihre Persönlichkeit mitbringen. Schon durch diese kleine Verschiebung der Betrachtung wird der Umgang mit Kindern anders sein, denn sie haben Wünsche, Ängste, Ideen, Bedürfnisse und Sorgen, die aus ihrer eigenen Entwicklung und Wahrnehmung heraus ihre Daseinsberechtigung haben, selbst wenn wir sie als lächerlich betracht. Auch für uns selbst waren unsere Gedanken zu jeder Zeit wichtig und ernst zu nehmen, nicht lächerlich und kindisch, nur in der Rückschau fällen wir ein anderes Urteil. Für diese Herabsetzung des Kindes gibt es sowohl in der Soziogenese als auch in der Psychogenes unserer Kultur Gründe, aber vielleicht haben wir bald die geistige Entwicklung, uns über diesen Zustand zu erheben und einen neuen Weg zu gehen.

Denn, wenn wir den Respekt – den wir selbst oft nicht bekamen – als Haltung dem Kind an sich gegenüber erlernen können, wenn wir es nicht mehr nötig haben, sie belehren zu wollen, sondern ihren Weg zu begleiten, weil wir selbst schon verstanden haben, dass da mehr ist, als nur der momentane Gefühlszustand, dann würde sich persé die Schule verändern, selbst die zurzeit als Regelschule bezeichnete Schule.

Projektschule

Eine Schule, die dem Kind das Lernen auf Augenhöhe ermöglicht, statt Lernstoff mit dem Nürnberger Trichter einzufüllen, muss vom herkömmlichen Unterricht abgehen und das Kind in den Mittelpunkt des Lernens setzen. Meiner Erfahrung nach kann ich im Unterricht nicht individuell zugeschnitten den Inhalt konzipieren. Ich orientiere mich an der Lerngruppe, frage mich, was sie braucht, wie die einzelnen Mitglieder der Gruppe die Aufgabe bewältigen und welche Wege sie gehen können, welche Teilaufgaben von wem gut gemeistert werden können und wie sich die Teilergebnisse zusammensetzen lassen. Das Lernergebnis für die Gruppe steht also im Vordergrund. Dies wäre bei einer Projektschule nicht viel anders, denn auch hier steht bei dem jeweiligen Projekt das Ergebnis im Vordergrund. Durch die Beratungsinstanz (ein Beratungslehrer pro Lerner) und durch das individuelle Zusammensetzen der Projekte pro Jahr sowie der individuellen Wahl des Praktikums ergeben sich für jeden Lerner die Möglichkeiten, eigene Lernfelder zu bearbeiten und zu verfolgen.

Bedeutung der Gruppe

Innerhalb der sich immer wieder neu zusammensetzenden Gruppen lernen die Heranwachsenden sich zu orientieren und die für sie wichtigen Standpunkte zu festigen, gleichzeitig sind sie nicht einer Lerngruppe ausgesetzt. Damit aber dennoch eine Orientierung für den einzelnen möglich wird, gibt es eine Stammgruppe, die im Schwerpunkt das soziale Miteinander innerhalb einer Gruppe trainiert. Hier sollten die Lehrer so geschult sein, dass sie auf notwendige Impulse aus der Gruppe reagieren und für ein Sozialtraining nutzen können, statt ein vorgegebenes Programm abzuspulen, selbst wenn es noch so gut ist wie das von Lions Quest. Die Stammgruppe setzt sich aus annähernd Gleichaltrigen bzw. Entwicklungsgleichen zusammen, während die Projekte altersgemischt sind. Die altersgemischte Lerngruppe verändert das Sozialverhalten untereinander; Ältere werden als Vorbild angesehen, gleichzeitig übernehmen sie Verantwortung für Jüngere; Jüngere bemühen sich, das Sozialverhalten entsprechend den Älteren anzupassen. Die Stammgruppe bietet den Lernern eine Möglichkeit, in einer Gruppe sich als Gruppe zu identifizieren und dort eine Orientierung durch die Schulzeit zu haben, während sie in den Projektgruppen unterschiedliche Menschen kennenlernen, Vorbilder finden und Verantwortung lernen, anders als in der Stammgruppe. Die Projekte müssen nicht allein von Lehrern geleitet werden, hier empfiehlt sich eine Kooperation mit Fachleuten aus der Wirtschaft unter Begleitung des Lehrers für den pädagogischen Teil. Wichtig wäre hier, dass der Lehrer seine pädagogische Schulung vor allem für die Gruppenprozesse nutzt und den fachlichen Teil der Fachkraft überlässt, wenn solche Projekte zustande kommen.

Lehrer – König des Zeitmanagments?

In kaum einen Beruf brennt man so schnell aus wie im Lehrberuf. Das tun Lehrer nicht, weil sie verbeamtet werden – wie gemeinhin angenommen wird –, sondern, weil der Arbeitsplatz an so vielen Stellen kleine Zeitfresser hat, denen er sich ständig ausliefern muss, damit der gesamte Schulbetrieb aufrechterhalten bleiben kann.

Der Illusion „Lehrer stehen nur im Unterricht und müssen nur kurz vorher mal überlegen, was sie dann so machen“ erliegen sehr viele Eltern, das Unterrichten macht aber knapp 10 bis 15 % des Berufsbildes – wie man so schön sagen kann; vielleicht kommt man auch auf 20 bis 25 %.

Was tun denn die Lehrer alles so? Sie sitzen in Konferenzen.

Auch. An meiner Schule komme ich im Monat auf ca. sechs Zeitstunden allein für die Konferenzen. Damit will ich nicht sagen, dass ich sie abschaffen möchte – wobei sich über die Form streiten ließe –, aber die Anerkennung als Arbeitszeit wäre eine sinnvolle Ergänzung zum bisherigen Umgang mit diesr Zeit. Aber da gibt es noch einiges mehr, denn die Konferenzen stellen nicht das Gros meiner Arbeitszeit.

Was ich alles tue:

Ich beschaffe mir Räume, wenn der Raum nach Plan nicht groß genug für die Lerngruppe ist. Ich kaufe Material für die Schule (Plakate, Folienstifte, buntes Papier, dicke Stifte). Ich recherchiere Hintergrundinformationen für Projekte, plane und konzipiere Unterrichtsreihen, –einheiten und –stunden, bereite Unterrichtsmaterial für Lernstationen oder für Kooperative Lernphasen vor. Ich telefoniere Eltern hinterher, weil ihre Kinder nicht zum Unterricht erschienen sind. Ich habe Beratungsgespräche mit Eltern und Schülern, habe Besprechungstermine mit Lehrern, um Unterrichtsinhalte abzustimmen. Ich kümmere mich um Verletzungen, Erkrankungen und um die Versorgung der Schüler. Ich befasse mich mit Streitigkeiten, Diebstahl von Schülereigentum, verlorenen Unterrichtsmaterialien. Ich kümmere mich um eine Raumbelegung für eine Theateraufführung. Ich erstelle Plakate zur Bewerbung von Veranstaltungen. Ich hänge Listen für Kollegen aus, wann ich eventuell einen ihrer Schüler für eine Extrastunde, Zusatzproben oder zur Besprechung brauche. Ich betreue Kinder im Offenen Angebot, in Pausen und während Nacharbeitsstunden. Ich korrigiere Klausuren, Klassenarbeiten, Hefter, Hausaufgaben, Lesetagebücher, Plakate. Ich trage Noten in mehrere Listen ein. Ich überprüfe, ob fehlende Schüler entschuldigt oder unentschuldigt fehlen. Ich protokolliere im Klassenbuch und in Kursbüchern, wann ich was gemacht habe. Ich fülle Anträge für Unterrichtsgänge, für gehaltene Vertretungsstunden, für Sonderurlaubswünsche, für Projekte und für Bezuschussungen aus. Ich erkundige mich nach den persönlichen Problemen von Schülern. Ich sitze in Vertretungsstunden und beaufsichtige fremde Klassen. Ich schule mich im Umgang mit den Möglichkeiten der PC-Nutzung an unserer Schule. Ich sortiere Akteneintragungen meiner von mir betreuten Klasse in die Schülerakten ein. Ich evaluiere mein Verhalten, mein Unterrichten, meinen Methodeneinsatz. Ich bilde mich im Umgang mit neuen Medien fort. Ich nehme teil an Konferenzen.

Manche Dinge tu ich natürlich nicht ständig, aber es führt dennoch zum Zeitkollaps.

Eine Schule, die mit ihren Ressourcen sinnvoll umgeht, berücksichtigt diese Zeitfresser.

Wie soll das gehen?

Für einige Dinge muss nicht der Lehrer selbst zuständig sein, denn entweder sind das Schulbelange (Schulleitung und Schulverwaltung) oder es sind Schülerangelegenheiten. Vieles ließe sich durch eine neue Definition des Schulbetriebes in andere Bereiche und auf andere Arbeitskräfte verlagern, wenn man entsprechend Sozialpädagogen, Verwaltungsfachangestellte und Betreuungspersonal ins Schulwesen integriert. Manche Dinge werden durch das Schulsystem bedingt zum Zeitfresser. Ein wichtiger Schwerpunkt im Schulbetrieb ist die lückenlose 100%ige Beaufsichtigung von Jugendlichen und Kindern. Wenn man statt einer flächendeckenden Kontrolle an bestimmten Stellen den Schülern so viel Raum geben könnte, dass sie Freiwilligkeiten entdecken könnten, hätten Lehrer gleichzeitig die Möglichkeit, zwischendurch Pausen zu setzen.

Gebe man den Schülern kleinere für ihr Alter angemessene Aufenthaltsräume, die sogar atmosphärisch zu dieser Altersgruppe passen, weil sie sich selbst diese eingerichtet haben (eventuell nach eigenen Plänen auch gebaut haben), dann werden sie vermutlich entsprechend sorgsamer damit umgehen wollen. Die Betreuung ließe sich durch Erzieher, Sozialpädagogen und Hilfskräfte organisieren.

Wieso aber ist das nicht denkbar?

Momentan ist das zu teuer, denn Lehrer werden nicht nach den Realstunden, die sie in Schulen investieren, bezahlt, sondern nur nach Unterrichtsstunden. Es fehlt an der Anerkennung dessen, was Lehrer tatsächlich leisten. Wenn das erfolgen würde, dann müsste man als zweiten Schritt zugeben, dass Lehrer sich eigentlich auf das konzentrieren sollten, wofür sie eingestellt werden, dass sie als Pausenaufsicht zu teuer sind und für Verwaltungsaufgaben gar nicht ausgebildet sind. Dabei geht es nicht darum, dass sie mehr verdienen müssen. Wenn die obengenannten Aspekte des Berufsbildes mit angerechneter Arbeitszeit angemessen bestätigt werden, dann erst kann eine Teilzeitkraft wissen, wann sie nur einen Halbtagsjob hat und wann sie über 30 Arbeitsstunden kommt.

Das wird aber nicht freiwillig passieren, denn schließlich sind wir Lehrer so billig für alle Dienste und alle Aufgabenbereiche einsetzbar, bis wir eben aufgrund dieser sehr stressigen Arbeitsplatzbedingungen zusammenbrechen. Dann sind wir beruflich kaum noch tragbar und werden teuer.

Die Frage ist, wann wir aus diesem Irrsinn aussteigen und nicht mehr die Quantität für Qualität halten. Oder anders gesagt: Wann lernen wir, dass wir unsere Ressourcen besser verteilen und einteilen müssen, damit sich insgesamt die Qualität steigern lässt? Schon gerade in einem Land, in dem wir doch noch immer vom Wohlstand geprägt sind!

Projekt – Schule – Projektschule

Schule der Zukunft? – (Ideensammlung ohne Rahmentext!)

Der Raum als dritter Pädagoge wird als eigener Arbeitsaspekt aufgegriffen, dabei muss berücksichtigt werden, dass je nach Alter die Kinder und Jugendlichen andere Bedürfnisse an den Raum stellen, andere ästhetische und spielerische Vorstellungen haben.

Lernen in einem Gebäude mit unterschiedlichen Häusern.

  • Einstieg Grundschule (max. 2-zügig) nach dem Montessoriprinzip bis einschließlich zur sechsten Klasse, wobei soziales und methodisches Training als Vorbereitung im Vordergrund steht.
    • Haus eins: Jg 1 – 3 in einem Haus, kleinste Lerngruppen, sehr familiär. Mit viel Spiel und Zeit an die Regeln gewöhnen. Viel raus, viel Bewegung, Grundfertigkeiten.
    • Haus zwei: Jg. 4 – 5 (6) in einem Haus, kleine Lerngruppen, erstes übergreifendes Lernen, Projekte, Soziales Training (Lions Quest) vordergründig, viel Bewegung und Spiel, in Stufe 6 dann jahrgangsübergreifende Projekte. Jahrgang 6 ist als Übergang so zu handhaben, dass jene, die Jugendlichen, die die nötige Reife für das selbstständige Lernen haben und sich in den höheren Altersgruppen behaupten können, „durchgeschult“ werden, die anderen bleiben noch in diesem Haus und erwerben die notwendigen Fertigkeiten (softskills) und gehen dann ganz natürlich in die nächste Stufe. Ein gleitender Übergang ist das Ziel
      • Weiterführende Schule mit unterschiedlichen Abschlüssen (Handwerk, Technik/IT, Kaufmann, Abitur(FORQ)) – als gleichwertige Abschlüsse.
    • Haus drei: Jg. 7 – 9: Jedes Jahr ein spezifisches Praktika (Soziales, IT/Technik, Handwerk, Kaufmann) von vier bis sechs Wochen, Mischung mit allen höheren Altersstufen bei Projekten.
    • Haus vier: 10 als Abschluss: Ein Theatergroßprojekt mit Technik, Werbung, Spielortsuche und Co.  
  • Zeitlicher Ablauf als Beispiel für die Jg. von 7 – 10: Start in der Stammgruppe, Vorstellen parallellaufender Projekte, 4 Projektphasen á 7 – 8 Wochen,  ein Praktikum, ein Stammgruppenabschlussprojekt zum Schuljahresende, ein Fest.
  • Der Lernkompass des Schülers: Portfolios auch in digitaler Form wird vom Beratungslehrer und vom Schüler gemeinsam geführt. Jährlich archiviert und besprochen.
  • Durchgängig eine Stammgruppe erhalten, in der sich die Lerner zwei Mal im Jahr miteinander auseinandersetzen und für das Abschlussjahr gemeinsam ein Projekt entwickeln.
  • Es gibt für jeden Lerner einen eigenen Beratungslehrer, das Team der Beratungslehrer einer Stammgruppe bilden dann die Lehrer (Manager und Leiter) für die Stammgruppe. Jeder Lehrer ist max. für 10 Schüler zuständig (Ist in der Praxis zu erproben, wie viel Beratungslerner im einzelnen durch das System und durch die Lerner für die Lehrer möglich ist.)

Angelegt als Ganztagsschule mit offenem Angebot am Nachmittag. Die Lerner können die Angebote nutzen oder sich mit den Projektthemen auseinandersetzen oder Freizeitaktivitäten nachgehen. Allerdings ohne Spieleinheiten – zur Entspannung. Andererseits gibt es einen Multimediaraum mit Spielkonsolen, Internetzugang und Co., wofür die Teilnehmerzahl begrenzt ist und zu dem sich die Lerner anmelden.

In jedem Haus gibt es einen für das Alter spezifischen Betreuungs- und Aufenthaltsraum, der durch geschultes Personal nicht unbeaufsichtigt ist. Dort erhalten die Kinder und Jugendlichen Getränke, Zwischenmahlzeiten, Mittagessen und Frühstück in angenehmer Atmosphäre. Es ist so eingerichtet, dass die Jugendlichen und die Kinder sich wohl fühlen. So kann gewährleistet werden, dass die Kinder und die Jugendlichen sich dann dort aufhalten, selbst wenn sie an keiner Freizeitaktivität teilnehmen wollen.

Über das Jahr verteilt werden regelmäßig Wettkämpfe, Ausschreibungen und Vorführungen dargeboten, die über die Schule hinausragen sollen.

Einbeziehung des Standortes durch die Wirtschaft:

  • Um in der Abschlussphase die Differenzierung zu gewährleisten, werden die Wirtschaftskonzerne, die bereits ein soziales Interesse mitbringen und/oder ortsansässig Interesse an gebildeten Kräften haben, für das Projekt begeistert:
    • Vorteil für den Nutzen in der Wirtschaft durch dieses Lernkonzept herausstellen
      • Teamfähigkeit durch gemeinsame Theaterprojekte
      • Themenvielfalt durch Methodenvielfalt
      • Konfliktlösungen durch Sozialtraining, Theater und Kunst
      • Selbstständigkeit durch Übernahme von „echten“ Aufgaben
      • Verantwortung durch Sozialtraining, durch Verfolgung des eigenen Lerninteresses und –erfolges.
  • Wirtschaftliche Beteiligung an den Inhalten der Projekte fördert die Lerner in deren eigenen Zielen.
    • Praktika in den Betrieben
    • Übernahme von einzelnen Projekten (Autostadt)
    • Unterstützung bei Projekten (Material, Personal, Geld, etc.)
    • Vorbildung in den jeweiligen Bereichen (kaufmännisches Rechnen, Aufsetzen kaufmännischer Briefe, Know-How IT, technisches Zeichnen (entsprechend runtergebrochen für das jeweilige Niveau der Jugendlichen), etc.)

Der mögliche Tagesablauf könnte so aussehen:

  • Vor Schulbeginn für alle (Lehrer, Schüler und Co) Tai-Shi.
  • Anschließend allgemeines Assemly in den jeweiligen Häusern: Was ist heute wichtig, (zehn Minuten)
  • dann gemeinsames Frühstück in den jeweiligen Aufenthaltsräumen mit Aufsichtswart aus der Schülergruppe.
  • Es folgt die erste Arbeitseinheit zum Projekt von insgesamt 2 ½ Stunden; Pausen werden abhängig vom Arbeitsprogramm durch die Lerner und die Lehrer gesteuert.
  • Eine einstündige Mittagspause beendet diese Phase,
  • anschließend erfolgt als zweite Einheit eine Arbeitszeit von 1 ½ Stunden. Da nach dem Mittag ein kognitives Tief erreicht wird, wird hier die Zeit handwerklich, künstlerisch oder sportiv gefüllt.
  • Daran schließt sich die betreute Freizeitphase mit Angeboten (die von extern eingeholt werden können (Judo-, Fußball-, Handballvereine u.a., Musikschule, Jugendgruppen, Kirchengruppen, etc.), die die Jugendlichen begeistern können.
  • Um 17 Uhr endet die Betreuung und die Schule.

Neben dem Lehrerpersonal sind weitere Fachkräfte aus allen Bereichen hinzuzuziehen:

  • Erzieher, Sozialpädagogen, ein Schulpsychologe (auch für die Lehrer zur Supervision), Mediziner, Universitätsdozenten, Informatiker, Techniker, Handwerker, etc.
  • Ebenfalls werden alle Lehreinrichtungen einbezogen, die der Umkreis hergibt: Schüleruni, Autostadt, etc.

Alle Gebäude, alle Räume, alle Bauten, alle Renovierungen, alle Essensversorgung werden von Schülern in Form der jeweiligen Projekte mitgetragen. Die Lerner werden zur Gestaltung, zur Reflexion, was gebraucht wird, zur Planung des Essens und überhaupt in allen Bereichen des Schulalltags mit als Handelnde einbezogen. Sie sind nicht nur Nutznießer von Wissen,  sondern sollen selbst aktiv am Geschehen beteiligt werden. Berücksichtigt wird, dass ein Einsatz am Schulalltag entsprechend dem Alter erfolgt.

Jedes Jahr fährt die Stammgruppe für eine kurze Zeit gemeinsam auf eine Studienfahrt. Diese Studienfahrten dienen, im Abschlussjahr sollte diese Zeit auf 3 Monate mit einem Auslandaufenthalt in Gastfamilien untergebraucht, ausgedehnt werden.

Ziel der Schule ist es, einen angenehmen Arbeits-, Lern- und Lebensraum zu kultivieren, in dem sich die Kinder und Jugendlichen in den Bereichen weiterentwickeln können, die sowohl für ihre Persönlichkeit wichtig sind, als auch für ihre später Berufswahl.

Solange sich nicht alle Schulen sowie das Schulsystem an sich verändern, bedarf es einer Eingliederung in das anerkannte System. Zu diesem Zweck werden im Abschlussjahr zielgerichtet auf die Abschlussprüfung Inhalte gelernt. Inwiefern weitere Maßnahmen schon in der Jahrgangsstufe neun ergriffen werden müssen, wird die aktuelle Bildungspolitik sowie der Standort der Schule zeigen.

Dieses Konzept ist bislang weder systematisch geordnet noch tiefgehender behandelt, aber jetzt liegt es so vor, dass man darüber diskutieren könnte. Ich würde mich über eine Diskussion zu diesen Punkte – sowohl zu einzelnen als auch zum Gesamtkonezpt – freuen.

Gr

Scarlett

2. Barcamp zum ADZ-NRW und ein neues WIKI

Ein zweiter Barcamp folgte dem ersten, wie das so geht und schon wieder rauschen Eindrücke und neue Erkenntnisschübe durch mein Kopf. Durchwandere mein Arbeitsumfeld Gesamtschule und denke im Geiste, was alles möglich wäre, wandle durch die Lehrerzimmer – denn wir haben zwei Gebäude, die 7 Min Fußweg auseinanderliegen – und sehe Menschen dort, denen es auch nicht so gut geht mit dem, was sie hier täglich erleben.

Ich überlege: -Schwärme ich von der Internationalen Friedensschule Köln oder lieber nicht?

Doch ich versuch es, erzähle von den Smartboards, von den beweglichen Tischen, von den kleinen Lerngruppen und den Arbeitsnischen, von anderen Lernzeiten, dem vegetarischen Essen und von all diesen winzigen Details, die eine Schule lebendig machen.

Und die Lehrer sehen mich an. Fast mit einem Spur vom politischen Ekel fragen sie, ob das denn wohl eine öffentliche Schule sei? Ich verneine.

Und dann geht es erst richtig los. Sie erklären mir, dass nur die oberen 10 Tausend sich sowas leisten können, Eliteschule, elitäres Gehabe. Sie erklären mir, dass das total unrealistische Verhältnisse seien und dass sei für unsere Schüler geradezu undenkbar. Schlussendlich steht das Fazit, dass unsere Schüler mit einer solchen Schule nichts anzufangen wüssten, nach kurzer Zeit alles verwüstet hätten und die Laptops auch gewartet gehörten, sich eine öffentliche Schule nicht so viel Personal leisten könne und überhaupt. Nicht einmal eine Utopie sei das.

Und dann fragen sie – manchmal -, wieso ich auf einer solchen Schule am Wochenende war? Beinahe eingeschüchtert erzähle ich vom ADZ, vom Netzwerk anderer Lehrer und … 

„Was ist das denn?“

… ich erzähle von Fortbildungsmaßnahmen, neues Lernen und verstumme allmählich, denn inzwischen tobt der Sturm. Gelächter ist zu hören. Sowas wie „Weltverbesserer“ kann ich hören oder „Damals dachte ich auch …“, „ach, dat lernste auch noch …!“ Ich seufze, denke mir meinen Teil, pack meine Klamotten und trotte zum Kopierer, mit dem ich mich fast am besten auskenne – im Übrigen.

Dabei hab ich so viel gelernt von diesen anderen Weltverbesserern. Den Andersdenkern. Ein wichtiger Lernschritt habe ich in meinem WIKI direkt umgesetzt. Dank ihrer nützlichen Einführung hab ich überhaupt erst verstanden, wie ein WIki funktioniert. In den letzten zwei Tagen und Abenden habe ich an meinem Wiki gebastelt und siehe da, jetzt sind schon 15 Schüler auf der Plattform angekommen. Die erste Diskussion läuft zu der Frage, ob wir teilöffentlich bleiben sollen oder nicht. Mich freut es sehr, aber ob aus dieser zarten Pflanze ein treibender Busch wird, wird die nächste Zeit zeigen. Und kostet auch viel Pflege.

Einige Kollegen haben bekundet, dass sie doch neugierig sind, wie das klappen kann. Wer weiß, vielleicht kommt so eine Veränderung über die Technik und durchs Kabel.

Bleiben wir on, dann bekommen wir es mit.

Andere Ungerechtigkeiten – Arbeitszeiten

Lehrer haben 12 Wochen Ferien, die meisten anderen Arbeitnehmer müssen mit 30 Tagen vorsichtig haushalten. Reden wir nicht darüber, dass auch die Quäker hätten studieren und Lehrer werden können; reden wir auch nicht darüber, dass diese Quäker sich dafür freinehmen können, wann ihre Termine das ermöglichen und nicht in Zwangsurlaubszeiten reisen müssen. Es ist unabhängig davon richtig, dass wir in den pädagogischen Berufen Chancen haben, die andere Eltern nicht haben.

WIESO aber wird, statt zu protestieren und Alternativen zu benennen, der Lehrer wieder beschimpft? Wieso muss ich mir meinen Beruf immer wieder und immer wieder – mal aus den einen, mal aus den anderen Gründen – vorwerfen  lassen? Dabei gäbe es doch eine Lösung, eine, die vielleicht auch dazu beitragen würde, der Kinderarmut etwas entgegenzusetzen, weil halbwegs intelligente Menschen sich ausrechnen können, welche NAchteile durch Kinder entstehen.

Wieso kann man nicht gesetzlich dafür sorgen, dass einer der Elternpaare in den Ferienzeiten grundsätzlich ebenfalls frei hat, um die Versorgung der Kinder zu übernehmen?

Ja, das schmeckt dann den Arbeitgebern nicht, aber wenn man das entsprechend steuerlich begünstigt und dafür sorgt, dass den Betrieben nicht nur Nachteile entstehen, wenn sie dann Elternteile mit Versorgungsrecht einstellen, wenn nicht nur Frauen diese Möglichkeit in Anspruch nehmen, sondern auch Männer, dann gäbe es vielleicht Chancengleichheit und eine bessere sowie günstigere Versorgung als durch KiTas. Vielleicht ließe sich das schrittweise einführen, zunächst für alle Alleinerziehenden des Landes.

Prinzipiell müsste man sich überall allerdings fragen, ob nicht noch mehr Lockmittel für Kinderreichtum geschaffen werden müsste:

  • Anerkennung des Erziehungsauftrages als Arbeitszeit mit Lohnausgleich,
  • zusätzliche Vergünstigungen bei entsprechenden Elternkursen,
  • Aufhebung der Steuer auf alle Kinderprodukte,
  • Verbot von Werbung von, mit und für Kinder,
  • steuerliche Aussetzung der Hauptfamilienurlaubszeit für die Familien
  • kostenfreier Zugang für Vereine, Musikschulen, Theaterbereiche und Co – durch Gutscheine an die Familien, deren Einkommen zu gering ist.

Ja, das wäre ein Paradies, wenn die Kosten für die Kinder ob für die schulische oder außerschulische Bildung und Erziehung von der ganzen Nation getragen würden, weil schließlich alle davon provitieren. Bislang ist es eine finanzielle, zeitliche und nervliche „Strafe“, Kinder zu bekommen, die als Erwachsene all jene versorgen sollen, die sich dieser Aufgabe entzogen haben. Lassen wir offen, dass Kinder auch eine Lernaufgabe und Bereicherung sind.

Die Urlaubszeit für die Familien zu ihrer finanziellen und nervlichen Entlastung anzuheben, wäre ein guter erste Schritt.