Die reine Idee und nichts als die Idee: Schule Utopia

Ein vorgeschobener NACHTRAG (Oktober 2014): Zurück im Bildungsbunker Schule weiss ich, dass es ein Irrtum war zu meinen, dass der Leistungsgedanke langsam aus den Köpfen verschwindet. Es wird doch noch ein bisserl dauern, bis die von mir infiltrierten Jugendlichen zu Eltern wurden, die sich das System nicht mehr gefallen lassen wollen. Inzwischen haben wir noch stärker angepasste und systemhörigere Eltern, als vor zehn oder fünfzehn Jahren. Erst, wenn gar nichts mehr geht, fangen diese Eltern irgendwann an zu denken und das System zu hinterfragen, dann aber haben sie Kinder, die sich dem System nicht beugen lassen, wie ich das auf dem Educamp in Hattingen 2014 bei einer betroffenen Mutter und Lehrerin mitbekommen habe.

Auch an der Freien Schule in Bochum zieht der Geist der Leistung durch die Eltern gelenkt stärker ein, er sitzt inzwischen den Lehrern im Nacken und flüstert böse Gedanken wie „mehr Hausaufgaben“, „mehr Leistungskontrolle“, „mehr Standarts“, „Noten“… Traurig, dass die Eltern wirklich glaube, wer viel leistet, wird deswegen auch Manager eines großen Konzerns.

Die Idee ist dennoch brauchbar. Wenn ich eine Idee gefunden habe, wie ich sie zur Verfügung stellen kann, ohne dass sie kommerzialisiert wird, dann publiziere ich sie. Ich brauch noch ein bisserl Zeit. DANKE

 

Hallo zusammen,
auf dieser Reise (siehe Sabbatreise) wollte ich vor allem die Idee eines alternativen Schulsystems aufschreiben.
Die Idee hat sich vor einigen Jahren aufgedrängt, sie schien es wert, dass sie festgehalten wird und dass sich andere Geister daran den Kopf zerbrechen, wie das gehen mag. Ja, die Idee hat viel Potenzial und ist auch sicher noch modifizierbar (welche ist das nicht?), doch die Entscheidung muss an einer anderen Stelle getroffen werden, ob wir unsere Schulen radikal verändern oder nicht.

Allerdings denke ich an den Spiegelartikel zur „Anlauttabelle“ und „Schreib-ruhig-wie-du-willst“, den ich noch im vergangenen Jahr gelesen habe. Derjenige (Dr. Jürgen Reichen?), der damals federführend war, bedauert heute, dass er selbst so strenge Lehrer gehabt hatte und deswegen die kreative Freiheit ausgerufen hatte. Als meine Tochter in die Schule kam, da hatte ich schon die Schüler in meinem Schulfach „Deutsch“, die Opfer der Anlauttabellen waren: Rechtschreibkatastrophen, vor allem für Kinder, die keine Zeit für Genauigkeit haben und so schnell Ideen entwickeln, dass sie das kaum noch aufschreiben können. Bei meiner jüngsten Tochter war ich sicher nicht böse, dass sie vor der Anlauttabelle schon schreiben und lesen konnte. In der Universität hab ich gelernt, dass angewöhnte Fehler sich schwerer berichtigen lassen, als wenn man es von Anfang an anders lernt. Die Idee also war gut, der Wunsch hatte ein heroisches Ziel, doch das Ergebnis hat Konsequenzen für die Rechtschreibung auf Jahrzehnte.
Diese Gefahr gibt es bei meiner Idee auch, ist sie doch nur ein Gedankenkonstrukt, dass genau deswegen zentrale Denkschwächen aufweisen kann. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Zeit der reinen Leistungsbemessung in Deutschland speziell und in Europa allgemein bald vorbei ist und dann Alternativen geschaffen werden müssen, die für den Menschen menschlich sind. Eingedenk, dass wir keine Maschinie sind, sondern soziale, fühlende, kreative oder sich ausdrückende Wesen sind, die nicht allein für die zu erbringende Leistung leben, hat diese Idee eine Chance verdient.

In meinem Text verzichte ich auf Diskussionen zum jetztigen Schulsystem, denn – so stellte ich mit dem Abstand durch meine Reise fest – jede Diskussion zu unserem Schulsystem scheitert systemimmantent wie Luhmann sagen würde. Ich kann mit Lehrern und anderen Menschen der Institution Schule über Veränderungen diskutieren, doch meist kommt dabei heraus, was sich wer gewünscht hätte, was er oder sie erlebt hat und wie er sich dabei fühlt. Will ich anderen von der Idee erzählen und starte mit dem jetzigen System, so kann ich sicher sein, dass ich die Idee gar nicht erzählen kann, denn vorher höre ich, was positiv oder negativ für den Betreffenden war, wieso Lehrer zu viel verdienen und warum ein härteres Durchgreifen nötig ist. Das Thema „Schule“ ist derart stark mit persönlichen Erfahrungen und Erwartungen verknüpft, dass jedes sachliche Gespräch im Vorfeld schon unmöglich wird – zumindest aus meiner Sicht. Also beginne ich bei der Idee selbst, erzähle von dem, was für mich die Schule Utopia ausmacht und schon verändert sich das Gesamtbild. Das habe ich eben auch für den Text gemacht, nur das Notwendigste erklärt, damit jeder ihn verstehen kann. Aus dem Grund ist er 14 Seiten lang. Falls ein Leser meint, dass ich noch an einer Stelle zu polemisch oder zu kritisch bin, die Stelle schaue ich mir gern daraufhin nochmals an. So versteht bitte auch die Leseprobe weiter unten.
Ich möchte in erster Linie die Idee in den Raum stellen.

Jetzt bekommt ihr nur einen Auszug, denn ich muss es noch rund machen, Fehler korrigieren, Anhang versäubern, Fußnoten ergänzen. Gerade letzteres kann ich nicht von unterwegs, da benötige ich meine Unterlagen.

Das Konzept des offenen Schulsystems

Ein offenes Schulsystem, in dem die Kinder und Jugendlichen selbst ihre Lerninhalte und Lernschritte bestimmen, braucht einen Rahmen und braucht Angebote durch Menschen, die das können. Freiräume eröffnen bedeutet also nicht notwendig Chaos und Anarchie. Es ist also die erste Annahme, dass auch Kinder, die Wahlmöglichkeiten haben, nicht unbedingt faul sind und nichts tun wollen. Kinder wollen genauso wenig gesagt bekommen, was sie tun müssen und sollen wie Erwachsene und wehren sich ebenso zunehmend in ihrer Schullaufbahn. Wenn von uns Erwachsenen diese Entscheidungsmöglichkeit wieder eingeräumt wird, hat das zur Folge, dass die Kinder nicht mehr gelangweilt im Klassenraum sitzen, sondern sich für ihre Interessen engagieren können. Die Konsequenz ist allerdings ein Umbau und eine Neustrukturierung der Schule.

  1. Konsequenz: Raumstruktur wandelfähig
  2. Konsequenz: Lehrer frei wählbar
  3. Konsequenz: Lernzeit frei wählbar
  4. Konsequenz: Lerninhalt frei wählbar

Lernen braucht verschiedene Bedingungen wie Raum, Motiv, Vorbild, Verankerung und Anwendung. Wenn es keine Schule gäbe, würden die Kinder von älteren Geschwistern und Nachbarskindern lernen, sie würden sich bei den Erwachsenen rumtreiben, sich was abgucken und das dann nachmachen. Von Kindern lernen Kinder am schnellsten und zwar auch Sozialverhalten, Rangordnung und Verantwortung. Das ist das erste, was in Schule Utopia eingeführt wird: Lernen in altersgemischten Gruppen. Dadurch steht für die Kinder und Jugendlichen im Vordergrund, mit jenen gemeinsam zu lernen und / oder zu arbeiten, mit denen sie zusammen sein wollen.

Wenn lernen erfolgreich sein soll, dann entsteht entweder Freude und Vergnügen beim Lernen oder die Angst vor den Konsequenzen durch das Nicht-Lernen dominiert das Denken. Freude am Lernen erlangt man aus verschiedenen Gründen: die Beziehung zwischen Lerner und Lehrer, die Dosierung der Aufgabe, die Motivation für den Lerner, der Inhalt, die Möglichkeit des Selbstmachens oder Abschauens. Soweit die Theorie.

Für Kinder und Jugendliche ist ein Motivator bestimmt durch die Freunde, mit denen sie gemeinsam lernen können und Zeit verbringen wollen. Es gibt ihnen das Gefühl von Sicherheit. Deswegen gehen die Kinder in die Schule, weil sie dort ihre Freunde treffen. Diese Motivation lassen wir gelten und nutzen sie, denn letztlich lernen Kinder und Jugendliche schneller voneinander. In Schule Utopia lernen die Kindern und Jugendlichen in altersgemischten Gruppe, die sie sich nach inhaltlichen oder sonstigen Motiven aussuchen können. Langfristig ergeben sich daraus ebenfalls die typischen gruppendynamischen Prozesse, vielleicht aber nicht in dieser störenden Form des geschlossenen Systems, weil die Kinder und Jugendlichen eine eigene Motivation mitbringen. Für die Lerner hat es einen weiteren anderen Vorteil. Langsame Kinder dürfen langsam lernen und häufig wiederholen, schnelle Kinder schnell und es gibt keine Springer und keine Sitzenbleiber, denn es gibt keine Klassenverbände.

Ebenso kann es für Lerner und auch Lehrer ein eigenes Erfolgskonzept sein, wenn sich die Lerner ihre Lehrer selbst zusammenstellen. Die Beziehung zum Lehrer ist ein Motivationspunkt mehr. In der Regel wissen Kinder und Jugendliche ganz genau, was sie von einem Lehrer zu erwarten haben, was er ihnen beibringen kann und weswegen sie ihn schätzen oder ablehnen. Die Qualitäten eines Lehrers sind dabei völlig unterschiedlich. Gleichen teils hat jeder Lehrer seine Schwächen, was den Kindern und Jugendlichen ebenso bekannt ist. Weil die Kinder und Jugendlichen genauso verschieden sind wie die Lehrer, bin ich davon überzeugt, dass kein Lehrer derart abgelehnt wird, dass er fortan keine Kinder und Jugendlichen mehr unterrichten wird. Kommt es vereinzelnd vor, dann bedarf es gesonderter Aufmerksamkeit, damit sowohl dem Lehrer als auch dem Lehrbetrieb geholfen werden kann. Eltern, die Institution Schule sowie jede einzelne Schule weiß von Lehrern, die überfordert sind, die persönliche Probleme mit in den Unterricht nehmen und die kaum den Stoff vermitteln können, für den sie angestellt wurden. Anstatt dies stillschweigend zu akzeptieren und zu hoffen, dass es schon nicht so schlimm wird, könnte man diese Schwierigkeiten im Sinne der Sache und im Sinne des menschlichen Miteinanders angehen und dem Lehrer helfen, soweit das möglich ist. Letztlich gibt es immer eine Möglichkeit, solange das Interesse für den Beruf und für den Lehrbetrieb prinzipiell gegeben ist, sich als Lehrkraft einzubringen. Ich stelle mir vor, dass die Lerner über die unterschiedlichen Kursangebote sprechen werden, wer sie leiten wird und welche Erfahrung man mit diversen Lehrern gemacht hat. Angebot und Nachfrage bestimmen sich gegenseitig, es gibt Rückmeldungen durch die

Damit kommt ein weiterer Motivationspunkt hinzu, nämlich der Lerninhalt. Als Erwachsener ist es für mich möglich, mich in den Bereichen von den Anbietern meiner Wahl zu dem Zeitpunkt meiner Wahl weiter zu bilden. Passt mir das nicht, kann ich mit dem Institut besprechen, wie für mich die Ausbildung passender ist. Das ist möglich, weil ich es bezahle. In der Schule sind manche Lerninhalte nur das Mittel für die Methoden oder die sogenannten Softskills, die gelernt oder erlernt werden sollen, manche Inhalte gehören zum kanonischen Bildungsstand, manche Inhalte sind lediglich Anschauungsmaterial. Ich kann zum Beispiel keine Sprache lernen, ohne dies an irgendeinem Inhalt zu tun. Lerninhalte sind jedoch nicht in Unterrichtsfächer eingeteilt. Selbst wenn ein Kind das Unterrichtsfach Deutsch im Allgemeinen mag, heißt das nicht, dass jeder Lerninhalt für das Kind gleich interessant ist. Daraus ergibt sich die Frage, was Lerninhalte eigentlich sind, die sich Kinder und Jugendliche selbst aussuchen können sollten.

Ein Lerninhalt kann zum Beispiel sein, sich mit der Epoche der Römer auseinanderzusetzen, weil wir ihre Spuren heute noch in unserer Kultur entdecken können. Wenn Kinder interessiert sind an der Geschichte, wenn Kinder interessiert sind an Kultur oder an dem, was sie über diese alte Kultur wissen, dann könnten sie sich für diesen Kurs anmelden. Damit wäre in diesem Fall allerdings erst der Lerngegenstand beschrieben, eine Auseinandersetzung ist noch nicht näher definiert. Angenommen ich wollte mit den Lernern zusammen eine Ausstellung im örtlichen Museum zu den Römern machen und spezialisiere mich auf die Spuren der Römer in der örtlichen Geschichte, dann hätte ich einen Lerninhalt für ein Projekt.

Schlussendlich kann ein Motivationspunkt  auch der Ort sein. Vermutlich bezeichnet diesen Aspekten prozentual nur einen kleinen Einfluss auf die Entscheidung, wenn mehrere Kurse zur Wahl stehen. Allerdings darf der Raum nicht unterschätzt werden, denn seine Wirkung besteht auch unterschwellig. Für Schule Utopia gilt, dass es viele verschiedene Funktionsräume gibt, die sich in ihrer Art von den üblichen Schulklassenräumen unterscheiden. Die meisten Räume an dieser Schule sind leere Arbeitsräume, in denen man Stühle finden kann, die aber ansonsten freie Arbeitsfläche bieten.

Das verändert die Schule in dem Maße, dass sie nicht allein der Aufbewahrung von Heranwachsenden dient, sondern dass sie für die Ausbildung der jungen Menschen innerhalb der Region verantwortlich wird. Darin liegt die Chance, sich die regionalen Firmen, Institutionen und Kulturstätten nutzbar zu machen, um stärker praxisorientiert zu lehren und zu lernen.

Im Folgenden schildere ich, was die Schule Utopia in den Bereichen Abschluss, Arbeitsaufwand, Entlastung für Lehrer und Lerner, Schulalltag, Möglichkeiten für die Region sowie die Projektarbeit von der bisherigen Schule unterscheidet.

Das war der Auftakt zur Schule Utopia. Wenn ich fertig bin, dann kommt hier der Text zuerst hin.

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