Aussichtslos ein neues Jahr starten?

Nichts ist so demotivierend wie die Desillusion von Idealen.  Mir kommt es so vor, als trete ich auf der Stelle und bewege nicht mal was bei meinen Schülern. Von Eltern, Lehrern und Politikern, die Entscheidungen treffen ganz zu schweigen.  Was mich so desillusioniert hat, ist die Schule, an der ich arbeite. Nach außen sieht sie sehr refomwillig und offen aus, aber das ist nur Farbe, die auf die kaputtesten Teile der Schulmaschine geschmiert wurde – liebev oll, wie ich zugeben muss, denn es hat mich geblendet. Ich glaube nicht mehr daran, dass sich unser Land dazu entscheiden kann, die Schulmaschine als kaputt und für dieses Gesellschaftssystem untauglich anzuerkennen, damit an ihre Stelle eine für die Gesellschaft passendere Maschine treten kann. Diesen Glauben verloren zu haben, macht mich melancholisch und zwingt mich zu einer Entscheidung, denn ich war nicht an Sicherheit interessiert, als ich diesen Job auswählte.

Momentan denke ich ganz oft, dass ich noch zwei Jahre diese Maschine – diese kaputte – bedienen muss, dann kann ich mich ein Jahr um meine Familienmaschine kümmern, die ich ohnedies sehr vernachlässige, wegen dieser Schulmaschine, die ja kaputt ist. Und dann kann ich von einer tadellosen neuen laufenden Maschine träumen und sie mir konstruieren, wie ich will.

Diese Stimmung vermeidet einen erfolgreichen Output in diesem Blog; ich komm zurück … keine Frage. 🙂

LG, Scarlett

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3 Antworten

  1. Kommt mir irgendwo bekannt vor, was ich da bei dir lese. Die Erfahrung teilst du mit vielen, denn das System Schule ist zäh und Widerstände im System sind oft groß. Innovation kommt meist nur zustande, wenn die Mischung im Kollegium stimmt, ausreichend innovationswillige Lehrerinnen und Lehrer und eine Schulleitung, die den Titel „Leitung“ verdient. Beispiele gelungener Schulentwicklung belegen dieses meiner Meinung nach gut.
    Die Frage ist natürlich, wie geht man mit derartigen Misserfolgen um?
    – Ein Teil der Lehrer, die diese Erfahrung machen, resignieren und machen nur noch ihr eigenes Ding oder Dienst nach Vorschrift.
    – Manche suchen sich eine neue Schule, die eher zu ihnen und ihren Vorstellungen von guter Schule passen.
    – Einige wenige werden Schulleitung und formen sich ihre Schule nach ihren Vorstellungen.
    – Wieder andere lassen in ihrer Schule nicht locker und bohren weiter an den dicken Brettern.

    Gute Ansätze scheitern oft auch, da die Veränderungswilligen alle nur erdenklichen Fehler machen. Dazu gehören: schlechte Planung, isolierte Arbeit im Kollegium, Fehleinschätzungen, fehlende Analyse der Ausgangslage, Unterschätzen der Widerstände/ Schwierigkeiten, Naivität, Realitätsferne und so weiter.

    Schulentwicklung braucht eine gewisse Erfahrung. Auch Fehlermachen gehört dazu. Aus den Fehlern lernen, ist ebenfalls wichtig. Es geht auch nicht eben so. Schulentwicklung muss systemisch erfolgen, sonst fehlt ihr die Nachhaltigkeit. An einigen Schulen wird man auch den Mut brauchen, sich einzugestehen, dass es keine Chance zur Veränderung gibt. Es gibt diese Schulen tatsächlich.

    An meiner Schule bin ich samt Steuergruppe vor die Wand gelaufen, dass es gekracht hat. Ein Schuljahr lang haben wir dann gebraucht, uns wieder zu sammeln. Jetzt werden wir die Sache neu angehen und schauen, dass wir aus den Fehlern lernen und die Veränderungen im Kollegium durch Ab- und Zugänge geschickt nutzen.

    Was du nun tun wirst, solltest du gut überlegen.

  2. Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich in der Maschine Schule seine Nische suchen muss, in der man dann versucht, etwas zu bewegen. Aber man muss dann auch akzeptieren, dass man an vielen anderen Stellen NICHTS bewegen wird. Ich habe an meiner Schule diese Nische zum Glück im Bereich Musik gefunden. Dort habe ich viel verändern und bewegen können und tue dies noch immer.

    Trotzdem gibt es in ganz, ganz vielen anderen Bereichen Dinge, die mich desillusionieren, demotivieren, enttäuschen und traurig machen. Aber immer, wenn’s mir zu bunt wird, schaue ich mir an, wie schön es schon in meinem kleinen Eck geworden ist und was da alles noch passieren kann und dann geht’s mir wieder gut.

  3. Oh Scarlett, was schreibst du hier? Ausdruck eines schlechten Tages oder Kapitulation vor dem System. Ich kann es kaum glauben.

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