Offener Brief an Frau Merkel

Sehr geehrte Frau Merkel,

Sie erledigen einen Job, um den ich Sie wenig beneide, allerdings in einer Form, die in mir die Frage aufkeimen lässt, ob Sie diesem Job gewachsen sind. Dass die Möglichkeit, etwas tun zu können, nicht zwingend voraussetzt, dass man das auch tun sollte, zeigt sich an zahlreichen modernen Erfindungen, die nicht zum Wohle der Menschheit genutzt werden.

Ich gehe davon aus, dass Sie intelligent genug sind zu erkennen, dass Deutschland zwar ein tolles Klima bietet, doch aber im Großen und Ganzen über wenig Bodenschätze verfügt, die sich abzubauen lohnen. Deutschland ist von außen betrachtet reizvoll, weil hier Lebensmittel auf dem Feld wachsen können und wir so viel produzieren, dass wir es sogar wegwerfen. Von innen betrachtet, mangelt es zunehmend an Zukunftsperspektiven, wohingegen die Armut dank Ihrer Politik zunimmt.

Wenn man mir die Frage stellte – und das tut keiner, da ich ja nicht so berühmt bin, dass ich es sagen könnte – was denn nun diesem Land helfen könnte, dann würde ich sagen: Nach Möglichkeit ALLES in die Bildung und Familienpolitik investieren. Ja, wozu sollen wir uns denn im Ausland verteidigen? Wozu brauchen wir diese ganzen Subventionen, wenn Lebensmittel weggeworfen werden? Wozu Straßen und neue Schilder? Wenn wir nicht die einzige Ressource, die wir haben, pflegen, ist es ohnedies nutzlos. Gut, ich bin realistisch genug, dass Sie sagen werden: „ALLES? Sie sind nicht bei Trost!“ Okay, ich weiß, dann weinen die Männer im Bundestag, wenn man ihnen die Jagdbomber wegnimmt. Ist auch viel wichtiger als eine neue Schule.
Sagen wir die Hälfte! Nehmen Sie nur die Hälfte von allen Steuereinnahmen.
1. Setzen Sie das Personal in Jugendämtern hoch, passen Sie die Löhne an die Verantwortung, die Sie tragen, an und kürzen Sie den Verwaltungskram um die Hälfte.
2. In jede Familie mit mehr als zwei Kindern gehört eine Hilfe hinein, die am Anfang Probleme auffängt, bevor es eskaliert. Erst wenn deutlich wird, dass die jungen Eltern ohne Hilfe auskommen, wird die Hilfe rausgenommen.
3. Setzen Sie die ersten sechs Lebensjahre des Kindes ein Elternteil als Arbeitskraft für die Gesellschaft aus, ab der Schulpflicht sollte kein Elternteil in den Ferien arbeiten müssen, es sei denn, die 2. Hälfte arbeitet nachweislich nicht.
4. Ergotherapie, Logopädie und Spieltherapie wenn nötig für jedes Kind verordnen lassen.
5. Stellen Sie sich vor: In Schulen arbeiten doppelt so viele Lehrer, im ausgebauten Freizeitbereich betreuen Erzieher Kinder von arbeitenden Eltern, wenn Stunden entfallen.
6. In jeder Schule sollte es für Lehrer die Möglichkeit zur Supervision geben und auf je 100 Schüler wird ein Sozialpädagoge eingestellt. Schulmaterialien werden von der Staatskasse getragen.
7. Die Schulen werden technisch anspruchsvoll mit Smartboard und Beamer ausgestattet. Für die Wartung steht ein Techniker zur Verfügung.
8. Für den Verwaltungsapparat wird ein Verwaltungsfachangestellter eingestellt.
9. Jeder Lehrkraft wird ein Arbeitsplatz mit Computer und Regal in der Schule ermöglicht.
10. Die Schulgebäude werden kernsaniert und insgesamt lebensfreundlicher, schulgerechter abgestimmt.
11. Es wird Geld in die Forschung investiert, wie am besten die Kinder zu beschulen sind und diese Konzepte werden schnell und wenig bürokratisch umgesetzt – denn, Frau Merkel, es gibt richtig gute voll funktionierende Schulkonzepte, die leider nicht flächendeckend in Deutschland umgesetzt werden.
Das allein wären alles Schritte in die Richtung, die die Deutschen nicht nur von einer Vergangenheit träumen lassen: „Einst waren wir das Volk der Dichter und Denker“. Sie würden eingehen als die berühmte Kanzlerin, die nicht nur die erste Frau im Amt war, sondern die den Mut hatte, ein Volk zu verändern. Aber richtig, ich vergaß. Der erste Teil des Satzes genügt ihnen, bei dem zweiten Teil setzen Sie mehr auf: „…, sondern die Frau, die sich bequem in die Fußstampfen eines Bundeskanzlers setzte, der für seine Aussitztaktik berühmt wurde.“
Gut, ein letztes Angebot, Frau Merkel: Investieren Sie vom Bruttosozialprodukt das Doppelte vom bisherigen Umfang in die Bildung und in die Familiepolitik. Das ist dann nicht so viel, aber wir könnten mit Ländern wie Schweden, Dänemark gleichziehen und uns überlegen, ob es zumindest zum sanieren der Schulen genügt; vielleicht können wir auch aus jedem zweiten Kind statt eines finanziellen Desasters für dessen Generation eine lebensfähige Arbeitskraft machen.
Ja, da wird eine Menge in Zukunft geschehen. Ich rüste meine Kinder, dass sie nicht hier leben müssen, Frau Merkel. Ich will nicht, dass meine Kinder unter Ihrer Politik und der Ihrer Genossen leiden müssen, als wir unter Kohl und Ihresgleichen! Sehen Sie sich die Katastrophe in Nordafrika an, diese Katastrophe ereilt dieses Land in wenigen Jahren auch, denn das Regime spielt keine Rolle. Es ist der Kapitalismus, der uns Menschen ins Gesicht lacht und unsere hässlichsten Charakterzüge offenbart. Ja, ich glaube, dass die Menschen in Frieden miteinander leben könnten, wenn sie nicht fürchten müssten, dass sie bestohlen werden, weil ein anderer schneller war. Das es auch anders geht, leben uns die Kulturen vor, die in den kälteren Zonen Europas leben.
Ich gebe zu, ich habe Sie nicht gewählt, sogar ziemlich radikal links war mein Kreuz, denn letztlich es egal, wenn ich von den Parteien wähle. Sie alle sind gleich, Sie alle sind gierige machtkorrupte Geier. Was also bleibt, als Piraten zu wählen, was also bleibt, als irgendwann das Licht an der Bühne zu löschen und zu gehen. Sorgen Sie also dafür, dass ich mir den nächsten Akt in Deutschland ansehe, sonst muss ich gehen. Ja, vermutlich ist meine Meinung und mein Einzelschicksal für Sie belanglos, doch in der Masse wird es ein gesellschaftliches Thema und dann vielleicht werden Sie wach und gucken, wie viel Machtgier kann ich diesem Druck entgegensetzen.
Ich bin froh, dass ich nicht ihren Job zu erledigen habe, aber ich bin sicher, ich würde mein Leben in den Dienst des Allgemeinwohls stellen und würde mein Bestes versuchen. Aber ich hab mit dieser Macht auch noch nicht geschlafen!
S. Hermann-Schenk

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