2. Barcamp zum ADZ-NRW und ein neues WIKI

Ein zweiter Barcamp folgte dem ersten, wie das so geht und schon wieder rauschen Eindrücke und neue Erkenntnisschübe durch mein Kopf. Durchwandere mein Arbeitsumfeld Gesamtschule und denke im Geiste, was alles möglich wäre, wandle durch die Lehrerzimmer – denn wir haben zwei Gebäude, die 7 Min Fußweg auseinanderliegen – und sehe Menschen dort, denen es auch nicht so gut geht mit dem, was sie hier täglich erleben.

Ich überlege: -Schwärme ich von der Internationalen Friedensschule Köln oder lieber nicht?

Doch ich versuch es, erzähle von den Smartboards, von den beweglichen Tischen, von den kleinen Lerngruppen und den Arbeitsnischen, von anderen Lernzeiten, dem vegetarischen Essen und von all diesen winzigen Details, die eine Schule lebendig machen.

Und die Lehrer sehen mich an. Fast mit einem Spur vom politischen Ekel fragen sie, ob das denn wohl eine öffentliche Schule sei? Ich verneine.

Und dann geht es erst richtig los. Sie erklären mir, dass nur die oberen 10 Tausend sich sowas leisten können, Eliteschule, elitäres Gehabe. Sie erklären mir, dass das total unrealistische Verhältnisse seien und dass sei für unsere Schüler geradezu undenkbar. Schlussendlich steht das Fazit, dass unsere Schüler mit einer solchen Schule nichts anzufangen wüssten, nach kurzer Zeit alles verwüstet hätten und die Laptops auch gewartet gehörten, sich eine öffentliche Schule nicht so viel Personal leisten könne und überhaupt. Nicht einmal eine Utopie sei das.

Und dann fragen sie – manchmal -, wieso ich auf einer solchen Schule am Wochenende war? Beinahe eingeschüchtert erzähle ich vom ADZ, vom Netzwerk anderer Lehrer und … 

„Was ist das denn?“

… ich erzähle von Fortbildungsmaßnahmen, neues Lernen und verstumme allmählich, denn inzwischen tobt der Sturm. Gelächter ist zu hören. Sowas wie „Weltverbesserer“ kann ich hören oder „Damals dachte ich auch …“, „ach, dat lernste auch noch …!“ Ich seufze, denke mir meinen Teil, pack meine Klamotten und trotte zum Kopierer, mit dem ich mich fast am besten auskenne – im Übrigen.

Dabei hab ich so viel gelernt von diesen anderen Weltverbesserern. Den Andersdenkern. Ein wichtiger Lernschritt habe ich in meinem WIKI direkt umgesetzt. Dank ihrer nützlichen Einführung hab ich überhaupt erst verstanden, wie ein WIki funktioniert. In den letzten zwei Tagen und Abenden habe ich an meinem Wiki gebastelt und siehe da, jetzt sind schon 15 Schüler auf der Plattform angekommen. Die erste Diskussion läuft zu der Frage, ob wir teilöffentlich bleiben sollen oder nicht. Mich freut es sehr, aber ob aus dieser zarten Pflanze ein treibender Busch wird, wird die nächste Zeit zeigen. Und kostet auch viel Pflege.

Einige Kollegen haben bekundet, dass sie doch neugierig sind, wie das klappen kann. Wer weiß, vielleicht kommt so eine Veränderung über die Technik und durchs Kabel.

Bleiben wir on, dann bekommen wir es mit.

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5 Antworten

  1. Es klingt ein wenig depremiert. Aber dann auch wieder nicht. Manchmal gehtnes nur mit good practise. Erst wenn du Erfolg hast, dann schauen die Anderen genauer hin, und werden merken, dass das mit der Eliteschule nur eine dumme Ausrede war, damit alles so bleibt wie es ist.

  2. Hi Gibro,

    ja, es klingt nicht nur so. Nach der Euphorie, die ich nach dem Barcamp empfand, kehrte ich an die Schule zurück und hatte dieses niederschmetternde Gefühl, dass sich an dieser Schule sehr lange nichts bewegen wird. Keiner macht den Mund auf, obwohl alle Lehrer unzufrieden sind und alle Mägel benennen könnten.
    WOHER kommt diese ANGST?
    Tja, ganz oft ist es wirklich die Haltung: „Ich muss nur noch ein paar Jahre und die schaff ich auch noch so.“
    Was auf jeden Fall gilt: SIe haben keine Power mehr für irgendwas. Geht mir ja im Laufe des Schuljahres ähnlich.
    Eine KOllegin – die ich für unglaublich diszipliniert und strukturiert und freundlich halte – hat heute gefragt, wie sie das noch schaffen soll, bis sie endlich pensioniert wird.
    Ja, das ist der Alltag, Gibro. Und was wir träumen, dass ist nur noch mehr Anstrengung, wo schon der Alltag kaum zu bewältigen ist.
    Mich hat das schon sehr deprimiert, aber ich gebe deswegen nicht auf. 🙂

    LG
    Scarlett

  3. Der Alltag holt einen schnell wieder ein. An meiner Schule gibt es schon einige Kolleginnen und Kollegen, die sich für das interessieren, was ich mitbringe von den Treffen. Mich inspiriert es und es treibt mich an, anderes zu versuchen.
    Ich finde es unheimlich motivierend, zu sehen, dass es eben doch anders gehen kann (auch wenn es in diesem Fall eine Privatschule ist). Auch öffentliche Schulen könnten vieles haben von dem, was die Friedensschule in Köln hat und andere ähnliche Schulen. Es ist keine Frage des Geldes, sondern der Verteilung des Geldes, wenn es nur um den äußeren Rahmen geht.
    Die Friedensschule in Köln kann sich ihre Kunden (Schüler) aussuchen. Das macht manches einfacher. Andere Beispiele zeigen, dass es aber auch möglich ist, mit Schülern aus einem anderem Umfeld vergleichbare Formen von Schule zu machen. Sicherlich kostet es mehr Kraft von Seiten der Schule, diese Schüler einzubinden.
    Reaktionen wie aus deinem Kollegium kenne ich auch. Was die Ursachen angeht, darüber wurde in Köln zu Genüge gesprochen.
    Sollte den Lehrerinnen und Lehrern dieses Landes von der Politik das gleiche Recht auf Lernen zugesprochen werden wie den Kindern, die von ihnen unterrichtet werden, und dieses mit Personal und Ressourcen unterfüttert werden, steht einem durchgreifenden Wandel der Schule eigentlich nichts mehr im Wege.

  4. Hallo Scarlett!
    Schade dass wir uns in Köln nicht direkt kennengelernt haben. Ein guter Artikel, finde ich. Eine echte Aufmunterung weiß ich nicht. Aber: Was ist die Alternative? Beim Aufgeben mitmachen und bis zur Pensionierung nur nach dem Weg mit möglichst wenig Schmerz suchen?
    Liebe Grüße
    Jöran

  5. Ich finde es bewunderswert, mit wieviel Elan und vor allen Dingen Mut Du die Dir neuen Dinge angehst und direkt auch erprobst. Unglaublich…

    Viel Erfolg weiterhin! 🙂

    Felix

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