Schweigen und Diskutieren in der Lehrerkonferenz

Heute haben wir  eine der vielen Lehrerkonferenzen abgehalten, an denen keiner teilnehmen will, weil man genauso gut ein Protokoll lesen könnte, denn langweilig werden irgendwelche Fakten heruntersalmoniert.  90 % der Lehrer würden alles tun, damit dieses Prozedere sich abkürzt. Natürlich wird hier nicht ein heißes Thema wie die Schulpolitik im allgemeinen oder speziell für diese Schule diskutiert, doch manchmal lässt sich das bei all den guten Strategien nicht vermeiden. Heute war es dann auch an unserer Schule so weit, als nun faktisch dargelegt werden musst, dass zwar der Bedarf an der Schule offiziell anerkannt worden war, aber die Kassen seien dennoch leer (schließlich sind wir keine Bank). Manche Bereiche unserer Schule sind nicht mehr unterrichtstauglich, denn in den Chemieräumen sind die Leitungen so marode, dass der Einsatz von Gas und vom Abzug verboten wurde.

Die Frage, ob man diesen Missstand nicht öffentlich machen dürfe (uuppss), wurde damit abgetan, dass man schließlich um jeden Schüler ringen müsse und nicht weitere guten Schüler an die Gymnasien verlieren dürfte. Nun kam die riskante Frage: Sei denn nicht der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich vom staatlichen oder städtischen Versorgungsschiff lösen müsse und sehen müsse, ob man die Schule nicht autark und innovativ leiten könne, damit das Bild nach Außen vielleicht auch real erhalten bleiben könne?

Ein anderer Kollege – offensichtlich noch wach – fragte, welche Idee es denn konkret gäbe. Ich schlug vor, dass man gemeinsam dem Schülerlabor der RUB ein Konzept erarbeiten könnte, so dass die NW-Stunden gebündelt innerhalb eines Projekts an der Uni in deren Laboren verwirklicht werden könnten. Eine ensprechende Vor- und Nachbereitung ließe sich ergänzen und somit wären die Stundenpläne und die Lehrer entlastet – gleichzeitig ist die Lehre praktischer und innovativer und schülernäher. Diese Idee wurde dann mit dem Kommentar „Man danke für diese kreative Idee, die sicher fruchtbar im Protokoll aufgenommen werde.“ abgetan. Das Kollegium ruhte im Schlaf. Keiner sagte etwas. Die Schulleiterin ging zum nächsten Punkt über ohne weitere Worte.

Gut, dachte ich. Ist ja auch eine KOnferenz und eine Diskussion verlängert die Qual unnötig.

Doch ein paar Punkte der Tagesordnung später wurde folgende Frage erörtert: Macht es Sinn, den Beschluss von vor 11 Jahren nochmals zu überdenken, der da lautet, dass „grundsätzlich“ eine KLasse von einem KLassenlehrerteam aus einer Lehrerin und einem Lehrer geleitet werden solle oder solle man aufgrund der vielen Teilzeitkräften, Stundenplanproblemen und Fächernotständen diesen Beschluss aufheben, so dass alle Klassenlehrerdoppel nach Bedarf ab der 7. KLasse aufgelöst werden können, damit für die 5. und 6. Klasse ausreichend Klassenlehrerteams vorhanden sind? Diese Frage löste eine heiße Debatte aus und ich fragte mich, was da eigentlich so heftig diskutiert wurde. Genau genommen drehte sich die Diskussion im Kreis, denn das Wort „grundsätzlich“ erklärte doch hinreichend, dass Ausnahmen möglich sind.

Ein Kollege meldete sich zu Wort, der zuvor im Lehrerzimmer einmal anmerkte, dass er abwarten würde, bis er nicht mehr zu dieser Anstalt „Schule“ müsse; solange wolle er die Herrschaft den Frauen überlassen, die das schon ganz gut hinbekämen. Er sagte, dass die wenigen noch wirklich guten pädagogischen Ansätze dieser Schule leider immer wieder Opfer von angeblich praktischen oder rationalen Gründen würden, soll auch jetzt wieder etwas Gutes zerstört werden. Er wäre zu oft Einzelkämpfer.

Danke, lieber Kollege, dass du dich zu Wort gemeldet hast.

Das Geheimnis des Schweigen an anderer Stelle beschäftigt mich noch. Vielleicht lässt sich zu einer anderen Zeit auch dann diskutieren.

Gr

Scarlett

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